Bernstein




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Bernstein (mndd. bern[e]stein; zu bernen = brennen, eigtl. also “Brennstein”, wegen seiner Brennbarkeit; mhd. auch agetstein, agstein [v. ahd. aiten = brennen]; grch.-lat. electrum [von da leitet sich im 18. Jh. wegen der an Bernstein beobachteten elektromagnetischen Eigenschaften das Adjektiv “elektrisch” ab]; die Bezeichnung electrum rührt wohl von der gelblichen Farbe des B., die jener der gleichnamigen Legierung aus Gold und Silber ähnelt; lat. auch sucinum, mlat. glaesum, lapis ardens, ligurius; wiss. Succinit). Fossiles, ausgehärtetes Harz der Bernsteinkiefer (Pinus succinifera) aus dem frühen Tertiär; klar bis undurchsichtig weißlich, auf Salzwasser schwimmend, in seiner baltischen Form von hell- bis dunkelgelber oder bräunlicher Farbe und leicht zu bearbeiten (schneiden, drehen, polieren). Bernstein wurde an der gesamten östlichen und südlichen Ostseeküste gesammelt (Strandlese) oder im Flachwasser mit Keschern und Netzen gefischt (“Schöpfstein”), vor allem aber an der “Bernsteinküste” Ostpreußens. Die beste Ausbeute ergab sich, nachdem er von den Stürmen im Frühjahr, Herbst und Winter an den Strand gespült worden war.

Bernstein war schon in vorgeschichtlicher Zeit als heilkräftiger Schmuckstein begehrt und fand seit der Bronzezeit durch Fernhändler Verbreitung über ganz Europa. Im Mittelalter wurde er außer zu Schmuck, zu Amuletten und zu Medizin (u.a. gegen Fieber) vornehmlich zu Rosenkranzkugeln verarbeitet. Nach der Inbesitznahme des Samlandes durch den Deutschritterorden kamen Bernsteinsuche, -handel und -verarbeitung unter dessen Kontrolle (“Bernsteinregal”). Der Orden seinerseits konnte die Bernsteingewinnung auch verpachten, so z.B. 1312 an die Fischer von Danzig oder 1342 an das Kloster Oliwa bei Danzig. Ein Bruder “Bernsteinmeister” wachte für den Orden über die Strände und über den Bernsteinertrag und verwaltete die Sammelstelle (“Bernsteinkammer”) des Ordens. Von dort gelangte der Bernstein – sortiert und in Fässer verpackt – an den Großschäffer in Königsberg, der dem Ordensmarschall für den Verkauf rechnungspflichtig war. Der Großteil des Rohbernsteins ging in die Städte Lübeck und Brügge, die bis zum Ende des 15. Jh. das Bezugs- und Verarbeitungsmonopol hielten.

Die Bearbeitung der rohen Bernsteinknollen besteht zunächst im Abfeilen der Verwitterungskruste, sodann im Schleifen und Polieren (möglichst unter Wasser, um Erhitzung zu vermeiden) und evtl. im Durchbohren.

Hildegard v. Bingen beschreibt den Bernstein unter dem Namen Ligur (mlat. ligurius, nach lat. lyncirium/Luchsstein) als “warm und von stählerner Kraft”. Er entstünde aus einer bestimmten Art des Luchsurins, und zwar dann “… wenn die Sonne stark brennt und die Luft leicht und mild und wohltemperiert ist.” Gegen Magenschmerzen empfiehlt sie einen Trank von Bier, Wein oder Wasser, worin der Ligur kurze Zeit eingelegt worden war. Keinesfalls verwende man den Trank jedoch gegen irgendwelche anderen Leiden, “denn die Kraft dieses Mittels (sei) so stark, dass es sein Herz brechen und seinen Kopf spalten und zerbrechen würde.”

Das würzige Aroma brennenden Bernsteins galt in der Volksmedizin als Mittel zur Geburtserleichterung. Halsketten aus gelbem Bernstein galten nach dem Ähnlichkeitsprinzip als Mittel gegen Gelbsucht.

In alter Tradition stand der mittelalterliche Aberglaube von der dämonenabwehrenden Kraft von Bernstein-Amuletten.

Der brennbare schwarze Schmuckstein, den Marco Polo auf seiner Reise durch Großarmenien kennenlernte und den die Einheimischen als Oltutasch (= Stein aus der Gegend von Oltu) bezeichnet hatten, ist wohl eine lokale Varietät des als Agtstein bezeichneten fossilierten Materials.

(s. Agtstein, Ambra, Bernsteinstraße)




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