Biber

Cinque Terre Forest
Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Biber (mhd. biber; zool. Castor fiber; Benennung nach dem Dioskuriden Kastor, mit dem er wegen der Heilwirkung des Bibergeils verglichen wurde; lat. fiber = “der Braune”). Säugetier, größter europäischer Nager, ausschließlich Pflanzenfresser, war bis zum Ende des Mittelalter in ganz Europa weit verbreitet, außer in England, wo er schon im 12. Jh. ausgerottet worden war. Auch im übrigen Europa gingen die Biberbestände durch Kultivierung der Fluss- und Bachniederungen und durch Bejagung stark zurück, sodass am Ende des Mittelalter fast nur noch osteuropäische Biberfelle in den Handel kamen. Als Jagdwild war der Biber wegen seines unvergleichlich dichten, seidenartigen Pelzes, wegen seines Fleisches und Fettes sowie wegen eines in sackartigen paarigen Drüsen im Afterbereich abgesonderten Drüsensekrets (s. Bibergeil) begehrt. Als besondere Delikatesse galt der Biberschwanz (die “Kelle”).

Im Physiologus steht unter “Vom Biber”: “Seine Geschlechtsteile sind nützlich als Arznei. Wenn er nun vom Jäger verfolgt wird und merkt, dass man ihn fassen werde, reißt er sich diese ab und wirft sie dem Jäger hin” um dessen Nachstellungen zu entgehen. Entsprechend soll sich der Mensch zwingen, Unzucht und Hurerei zu meiden (“reiß dergleichen von dir ab”), um den Nachstellungen des Teufels zu entgehen. – Die Selbstverstümmelung des Bibers galt noch bis ins 17. Jh. als Tatsache.

Hildegard von Bingen empfiehlt als Heilmittel gegen Fallsucht (Epilepsie): pulverisierte Biberzunge in Honig oder pulverisierte Leber des gleichen Tieres in warmem Wein.

In der Volksmedizin waren Fleisch, Organe, Schwanzschuppen, Haare, Zähne und Ausscheidungen des Bibers zu vielerlei Heilzwecken begehrt. Konrad von Megenberg schreibt: “Daz pibergail ist ze vil erznei guot.”; seine Qualität sei heiß und trocken und vertreibe die Feuchte, aus welcher Krämpfe kommen.

(s. Fasten, jagdbare Tiere)

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