Bienenwachs

Cinque Terre Forest
Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Bienenwachs (mhd., ahd. wahs = Gewebe [der Bienen]; lat. cera). Das Material des Wabenbaus stellen die Bienen den körpereigenen Wachsdrüsen her. Frisch erzeugtes Wabenwachs ist weiß, später nimmt es die gelbe Farbe des gespeicherten Honigs oder der Pollen an. Wachs ist wasserunlöslich, löslich in heißen Fetten oder in ätherischen Ölen, der Schmelzpunkt liegt bei 64°C. Gewonnen wird es durch Einschmelzen des bei der Honigernte anfallenden Wabenmaterials.

In den Kirchen des Mittelalter durften nur Kerzen aus Bienenwachs verwendet werden, galt doch die Biene aufgrund der irrtümlichen Annahme, dass sie sich ungeschlechtlich fortpflanze, als marianisches Symbol der Jungfräulichkeit. Aufgrund des großen Bedarfs an Kerzen für die Liturgie entwickelten sich die Klöster zu Großabnehmern und Produzenten von Bienenwachs. Innerhalb der an kirchliche Einrichtungen abzuführenden Naturalabgaben nahm der Wachszins (s. Zensuale) eine bedeutende Stellung ein. An das Kloster Corvey beispielsweise mussten je 20 Bauern jährlich 33,5 kg Bienenwachs abliefern. Im Spätmittelalter wurden Wachskerzen in wachsender Menge auch im höfischen und bürgerlichen Bereich verbraucht, stieg der Bedarf an Wachs für gewerbliche Zwecke.

Wachs wurde außer zur Kerzenherstellung auch zum Verschließen von Flaschen, Krügen und Fässern sowie zur Herstellung wächserner Schreibtäfelchen verwendet; Stoffe wurden mit Wachs wasserabstoßend gemacht, Fäden, Zwirn, Seile und Leder mit Wachs imrägniert, Möbeloberflächen mit Wachs poliert; Votivgaben (Bilder, Tafeln, Plastiken) wurden häufig aus Wachs gegossen, ebenso Siegel für Urkunden. In der Metallurgie fand Wachs beim Ausschmelzverfahren (s. Bronzeguss), in der Medizin bei der Herstellung von Pflastern und Salben Verwendung. Bei hölzernen Mühlengetrieben diente Bienenwachs als Schmiermittel.

Dem großen und stetig wachsenden Wachsbedarf im Mittelalter konnte die heimische Produktion allein nicht genügen; große Mengen wurden aus den waldreichen östlichen Ländern, u.a. aus Rußland, Böhmen, Mähren, Polen und Ungarn, eingeführt. Kaufleute der Hanse brachten Bienenwachs von Nowgorod und Königsberg (Ostpreußen) nach Brügge, von wo aus es nach Paris und London weiterverkauft wurde. Der Import allein nach London soll Ende des 15. Jh. jährlich etwa 100 Tonnen betragen haben.

(s. Kerzenmacher, Siegel, Wachstafel)

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