Bilderstreit

Cinque Terre Forest
Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
Erkunde das Mittelalter: Über 3.979 Seiten und mehr als 6.400 Einträge bieten dir einen tiefen Einblick in diese Ära. Vom Ablass bis zur Zunftordnung - dieses eBook ist dein Guide durch die Geschichte, Gesellschaft und Kultur Europas von 500 bis 1500 n. Chr. Entdecke in „Leben im Schatten der Zinnen“ auf 122 Seiten die mittelalterliche Burgenwelt: Architektur, Alltag und ihre Rolle im Mittelalter kompakt erklärt.

Bilderstreit. Die frühen Christen hatten sich an das Gebot “Du sollst Dir kein Bildnis machen” gehalten. Nachdem das Christentum jedoch im 4. Jh. von einer Minderheitenreligion zur Staatsreligion aufgestiegen war, konnte dieser rigorose Standpunkt gegen die Bedürfnisse der Masse nicht mehr durchgehalten werden, das Volk verlangte nach aussagemächtiger Verbildlichung, auch nach Ersatz für die gewohnten wundertätigen Götterbilder. Diesem Bedürfnis trugen die Toleranzedikte der Kaiser Galerius und Konstantin (ab 311) Rechnung; es kam zu einer ersten Blüte der Verehrung bestimmter Kultbilder, Ikonen (grch. eikon = Bild; Ikonophile = Bilderverehrer), die zumeist Christus oder Heilige darstellten. Um 600 erklärte Papst Gregor der Große bildliche Darstellungen Heiliger als dienlich zur Glaubensbelehrung der illiteraten Gläubigen. Gegen den aufkommenden Bilderkult erhob sich in der byzantinischen Kirche des 8./9. Jh. die militante Bewegung des Ikonoklasmus (v. grch. klaein = zerbrechen), die streng monotheistisch-abstrakten Tendenzen folgte, alle Ikonen für Götzenbilder erklärte und zu ihrer Zerstörung aufrief. Der Streit wurde ausgetragen zwischen dem Lager des Kaisertums und des Episkopats einerseits und dem des Mönchtums und der Masse der Gläubigen andererseits. Im 7. ökumen. Konzil von Nicaea (787) wurde der Bilderstreit beigelegt und die Bilderverehrung (Ikonodulie) sanktoniert. Nunmehr ging in der byzant. Kirche die offizielle Lehre dahin, dass sich das Bild Christi zu dessen menschlicher Erscheinung verhalte wie diese zu dem unsichtbaren Gott. Indem jemand das Bild missachte, leugne und missachte er Gott den Herrn.

Die röm. Kirche vertrat in der Angelegenheit durchwegs einen pragmatischeren Standpunkt, nahm an der Bilderverehrung des Volkes, selbst wo diese in magischen Vorstellungen wurzelte, kaum Anstoß, sodass Papst Hadrian I. mit den bilderfreundlichen Beschlüssen von Nicaea keine Schwierigkeiten hatte. Anders Karl d. Gr., der wahrscheinlich durch Fehlübersetzung des Konzilstextes zu der Ansicht gekommen war, Nikäa würde dem Götzendienst Vorschub leisten, und dagegen mit seinen ®Libri Carolini glaubte zu Felde ziehen zu müssen. Im Ergebnis einigte man sich darauf, dass Heilige – wie auch ihre Bilder und Reliquien – zu verehren seien (lat. venerare, grch. dulein; daher dulischer Kult); Maria wurde die darüber hinausgehende “hyperdulische” Verehrung zuerkannt, dem Dreieinigen Gott allein kam die Latria (Anbetung, lat. adoratio) zu.

Bestseller Nr. 1
Bestseller Nr. 2
Bestseller Nr. 3
Adel bis Zunft, Ein Lexikon des Mittelalters
Adel bis Zunft, Ein Lexikon des Mittelalters
Volkert, Wilhelm (Autor)
4,38 EUR
Bestseller Nr. 5
Nach oben scrollen