Böser Blick

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Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Böser Blick (lat. fascinatio). Im mittelalterliche Volksglauben hat die uralte Überzeugung von der Emanationswirkung des Auges fortbestanden, welche der Vorstellung von der schadenstiftenden Kraft des “Bösen Blicks” zugrundelag. Die negativen Eigenschaften eines bösen Menschen – wie Zorn, Neid, Eifersucht u.ä. – verderben dessen Körpersäfte, welche als Reaktion eine Art Dunst erzeugen, der zur höchsten Körperstelle aufsteigt und aus den “Augenlöchern” quasi wie Giftpfeile austritt und das angehasste Ziel (Mensch, Tier, Ding) trifft. Drang der üble Augenstrahl in das Auge der Zielperson, so gelangte er in deren Blut, verdarb es und machte krank. Es gab kaum ein Unbill, das nicht der Faszination zugeschrieben wurde: sei es Kopfweh oder Impotenz, Schwindsucht oder Krätze, eine schlechte Ernte oder ein verdorbenes Essen, ein Fehlschuss bei der Jagd oder ein zerbrochener Krug, Unglück beim Würfelspiel oder ein verrenkter Fuß.

Der Böse Blick wurde bestimmten Personen zugeschrieben, vorzugsweise solchen, die auf irgendeine Weise mit Toten zu tun hatten, also Totengräbern, Leichenfrauen und Scharfrichtern; aber auch Bettlern, Huren, alten Weibern und Menschen mit Besonderheiten der Augenpartie, etwa geröteten Augen oder zusammengewachsenen Augenbrauen. Hexen galten als obligatorisch mit dem Bösen Blick behaftet. Abwehrmittel waren Edelsteine und glänzende (Edel-)Metalle (weil sie reflektierend wirkten); Amulette, das Entgegenhalten von Heiligenbildern und das Zeigen der “Feige” (des zwischen Zeige- und Mittelfinger eingeklemmten Daumens der geballten rechten Hand.) Thomas von Aquin warnt vor dem Giftblick alter Weiber, die mit dem Teufel paktiert hätten. Deren Blick bewirke eine Verunreinigung der Luft, ähnlich der, die von menstruierenden Frauen ausginge und Spiegel erblinden ließe. Auch das 1. Buch des Hexenhammers (Cap. 2 und 5) handelt ausführlich vom bösen Blick.

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