Edelsteine

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Edelsteine (mhd. edel gestein, edelstein; lat. gemma, lapis). Minerale, die durch Farbe, Lichtwirkung und Seltenheit faszinierten, die von daher begehrt und kostbar waren und denen therapeutische und apotropäische Potenzen zugeschrieben wurden. Ihnen wurden auch Produkte organischer Herkunft wie Bernstein, Agtstein, Perlen und Koralle zugezählt. Von Achat, Bernstein, Agtstein und Koralle abgesehen kamen Edelsteine zumeist aus dem Ländern des Orients (Indien, Ceylon, Persien, Ägypten). Von dort gelangten sie auf die Märkte von Konstantinopel und Alexandrien und endlich durch – fast ausnahmslos italienische – Zwischenhändler zu den Goldschmieden der abendländischen Großstädte. So enorm die Preise für das Luxushandelsgut Edelstein war, so gering war sein Stellenwert in der europäischen Wirtschaft; weitaus bedeutender war der Handel mit Massengütern wie z.B. Salz, Wein, Getreide oder Holz.

Nach mittelalterliche Auffassung waren den Edelsteinen von Gott wunderbare Kräfte mitgegeben worden, die sie über die Fixsterne empfingen, ähnlich den Metallen, die ihre Kraft von den Planeten bezogen.

Der Enzyklopädiker Isidor von Sevilla (6./7. Jh.) behandelt in dem Kapitel “De lapidibus” seiner “Etymologiae” die Steine nach den Gesichtspunkten Genera (Arten), Marmora (Marmor) und Gemmae (Edelsteine). Die Letzteren systematisiert er unter den Stichwörtern: Fundort, Gewinnung, Name, Farbe, Lichtwirkung, Form, Größe, Härte, Gewicht, Kälte, Wärme, magische und medizinische Wirkungen.

Edelstein-Kapitel enthielten auch die enzyklopädischen Werke von Marbod von Rennes (11./12. Jh.), Thomas von Chantimpre (13. Jh.), Albertus Magnus (13. Jh.) und Konrad von Megenberg (14. Jh.).

Die wertvollsten mineralischen Edelsteine waren: Smaragd, Lapislazuli, Amethyst, Aquamarin, Jaspis, Saphir, Granat (Karfunkelstein), Rubin (s.a. Waise) und Opal, vom Spätmittelalter an auch Diamant. Sie wurden zu Schmuckstücken verarbeitet und repräsentierten, je größer, leuchtender und reiner sie waren, umso größere Macht. Für Herrscherinsignien und gottgeweihtes Kultgerät wurden sie gemäß ihrer Verweisfähigkeit auf höhere, transzendente Werte ausgewählt. Die große Zahl der symbolischen und allegorischen Bedeutungen, die Edelsteinen in der mittelalterliche Literatur und in mittelalterliche Zauberbüchern zukam, soll hier nur erwähnt werden.

Einzigartig in Europa sind die Edelsteinwände, die Kaiser Karl IV. für seine Kapellen im Prager Veitsdom (Wenzelskapelle) und auf Burg Karlstein (Katharinen- und Heilig-Kreuz-Kapelle) errichten ließ. Sie sollen den Abglanz des Paradieses augenfällig machen. Die an der Schnittfläche polierten faust- bis kopfgroßen Steine sind durch goldbelegte Gipsstreifen verfugt. Verwendet wurden Amethyste, Chrysoprase, Achate, Jaspise, Onyxe und andere, meist in Nordböhmen zu findende Steine.

Da im Mittelalter zur Unterscheidung der Edelsteine deren Farbe das wichtigste Hilfsmittel war, und weil Abarten bestimmter Steine in verschiedenen Farben vorkommen, ist verständlich, dass wertvolle Edelsteine miteinander oder mit weniger wertvollen verwechselt wurden. Die Identifizierung der Steine wird noch dadurch erschwert, dass sie mitunter mit Fantasienamen bezeichnet wurden oder dass man verschiedene Steine unter dem gleichen Namen einordnete.

(s. Drachenstein, Edelsteine, Bearbeitung der; Edelsteine, magische Wirksamkeit der; Edelsteine, medizinische Wirkung der; Edelsteine, symbolische Bedeutung der; Lapidarium; Steinsegen; Waise)

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