Eifersucht




Eifersucht (das Wort erscheint erst im 16. Jh., wohl gebildet aus ahd. eiver=das Bittere, die Bitternis und suht=Krankheit; lat. aemulatio, rivalitas). Der Begriff steht für das schmerzhafte Gefühl, bei geschätzten Mitmenschen an Ansehen und Zuneigung von Dritten übertroffen zu werden, der Liebe verlustig zu gehen. Besonders ausgeprägt bis hin zum Wahn kann die Eifersucht zwischen Geschlechtspartnern werden, und bis zu Misshandlung oder gar Totschlag der Ehefrau bzw. des Rivalen führen. Der Eifersucht des Mannes liegt außer der Trennungs- und Verlustangst die Furcht zugrunde, von einem Rivalen ein “Kuckuckskind” untergeschoben zu bekommen, während die Eifersucht der Frau wohl in der Angst begründet ist, den Schützer und Ernährer ihrer Kinder an eine Andere zu verlieren. Die Häufigkeit der Seitensprünge und die Heftigkeit der Affekte halten sich bei beiden Geschlechtern in etwa die Waage.

Im A.T. (Sprüche 27,4) wird die Eifersucht als gefährlichere Leidenschaft genannt als die Wut: “Mag der Zorn grausam sein und überschäumend die Wut, wer aber besteht vor der Eifersucht?”

Von kirchlicher Lehre wurde Eifersucht unter die Laster gezählt und als Kontrast der Tugend der Liebe gegenübergestellt.

Ein anonyme Minnelied aus dem 12. Jh. spricht von dem Versuch, sich der Treue der Geliebten durch Schloss und Schlüssel zu versichern:

“du bist beslozzen

in minem herzen:

verlorn ist daz slüzzelin:

du muost ouch immer drinne sin.

In der Literatur des Mittelalter wird die Eifersucht infolge ehebrecherischer Liebesbeziehzng erst vom 13. Jh. an thematisiert. In dem frz. “Roman du châtelain de Coucy” zwingt ein eifersüchtiger Ehemann seine Frau, das einbalsamierte Herz ihres auf einem Kreuzzug gefallenen Geliebten zu essen. In dem in provencalischer Sprache geschriebenen Roman “Roman de Flamenca” (13. Jh.) wird die krankhafte Gemütsveränderung des Eifersüchtigen geschildert. Von Petrarca (1304-1374) stammt der Sinnspruch: “Eifersucht, die Begleiterin der Liebe, hat dagegen brennende Eile, alles zu glauben, was nicht erfreut. Nicht durch Tatsachen allein, schon durch Schatten und Träume lässt sie sich schrecken.”

In der mittelalterliche Symbolik stehen Turm und Burg für die feste, jeder Belagerung trotzende Treue und Standhaftigkeit der Ehefrau.

Bis zum Spätmittelalter scheinen ungeregelte Geschlechtsbeziehungen in allen Ständen um sich gegriffen zu haben. Im Vordergrund der daraus entstehenden Problematik standen die Kinder aus solchen Beziehungen, bzw. deren rechtl. Stand und leibliches Überleben. In einem Görlitzer Urteilsbuch (“Liber proscriptionum”, 1379-1447) heißt es: “Wie man gar weniger etlicher leuthe ader kaume 12 par in ganz Gorlicz funde, die nicht am eebruche sessin (=teilhaben) entcwer (=entweder) der man ader das weib; unde sulde man alle ehbrecher hie zu Gorliczuff den pranger seczin, dozu were der nauwe margkt vil zu cleyne unde zu enge.” (Zit. Erika Uitz.)

In der mittelalterliche Pflanzensymbolik steht Vergissmeinnicht (mhd. vergiz-min-niht, ahd. Fridiles auga = der/des Geliebten Auge; botan. Myosotis) für den Wunsch, der/dem Geliebten stets in treuem Gedächnis gegenwärtig zu bleiben. Die Symbolfarbe Blau stand für Treue und Beständigkeit.

(s. Ehebruch, unehelich Geborene)




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