Fernhändler




Fernhändler (mhd. koufherre; lat. mercator). Die Geschichte des europäischen Fernhandels reicht bis in die Vorzeit zurück, der Verlauf seiner Handelswege konnten durch archäologische Funde teilweise erschlossen werden. An den lebhaften Fernhandel des spätantiken Rom knüpfte in dessen überlebenden Zentren der frühmittelalterliche Fernhandel an. (Dies waren im heutigen Deutschland Städte wie Duisburg, Köln, Worms, Mainz oder Regensburg; dazu kamen Haithabu, Dorstad, Hamburg u.a.m. Fürs übrige Abendland seien Visby, London, Amsterdam, Brügge, Bergen, Marseille, Genua und Venedig genannt. Wichtige russische und nahöstliche Zentren waren Nowgorod, Kiew, Byzanz, Damaskus, Aleppo.) “Noch vor dem Jahr 1000 berichtet der arab. Reisende al-Masudi, dass es im Frankenreich 150 Städte gäbe, die von Handel und Handwerk lebten.” (W. Metzger).

Der Fernhandel wurde ursprünglich von jüdischen, skandinavischen, friesischen, griechischen, syrischen und arabischen Wanderkaufleuten beherrscht, deren Aktivitäten bis nach Skandinavien, Afrika, Indien und China reichten und sich im Mittel- und Schwarzmeer-Raum vernetzten. Neben die fremden traten im Frühmittelalter einheimische Fernhändler, die sich in den Städten sesshaft machten und bald zur Oberschicht des Bürgertums gehörten. Zur Erlangung von Handelsprivilegien, zur Niederhaltung der Konkurrenz und zu gemeinsamer Gefahrenabwehr (besonders bei Seereisen) schlossen sie sich zu Gemeinschaften (coniurationes) zusammen, zu deren größter die Hanse wurde.

Fernhandelsgüter waren vor allem Salz, Gewürze, Farbstoffe, Papyrus, Bernstein, Edelmetalle und -steine, Perlen, Seide, Sklaven, Wachs, Waffen, Walrosszahn und Elfenbein. Als Ankäufer der Luxusgüter konnten Zwischenhändler fungieren, Endabnehmer waren reiche weltl. und geistl. Herren (Könige, Angehörige des Hochadels, Bischöfe, Äbte) und in zunehmendem Maße das Stadtpatriziat. Für das anwachsende städtische Gewerbe besorgten die Fernhändler sowohl die Rohstoffbeschaffung als auch den Absatz der fertigen Produkte.

Schon im 7./8. Jh. gab es Zollstationen an Handelsstraßen, Pässen, schiffbaren Flüssen und in Häfen, deren Einnahmen den jeweiligen Landesherren zuflossen und die kostenträchtigen Waren weiter verteuerten.

Durch die Kreuzzüge ging der Orienthandel vorübergehend zurück, wurde im Endeffekt aber sogar intensiviert. Im 12. Jh. beherrschten norditalienische Handelsgesellschaften den mediterranen Fernhandel, im 13./14. Jh. war der nordeuropäische Fernhandel die Domäne der deutschen Hanse. Durch Handelsmessen erfuhr der Umschlag von Handelsgütern, aber auch der Geld- und Informationsaustausch bedeutende Impulse.

Bzeichnend für die allgemeine Wertschätzung der Kaufleute – speziell der Fernkaufleute – ist eine Äußerung des eher gestrengen Franziskaner-Predigers Berthold von Regensburg (um 1350): “Wir möchten die Kaufleute nicht mehr entbehren, denn sie führen aus einem Land in das andere das ein, was wir benötigen, da ja in einem Land dies wohlfeil ist, in einem anderen jenes. … Davon sollen sie ihren Lohn zu Recht haben, das ist ihr Gewinn, den sie zu Recht gewinnen.” (Zit. P. Dinzelbacher)

Die finanzielle Absicherung und damit Macht und Ansehen der größeren Städte beruhten in hohem Maße auf den Abgaben der Fernhändler, aus deren Reihen viele Mitglieder des städt. Patriziats kamen. Dieses beherrschte den Rat und hatte entscheidenden Einfluss auf die städt. Politik.

Abschließend sei vermerkt, dass Fernhändler die wohl wichtigsten Auftraggeber des Transportgewerbes waren, dass durch sie Fuhrleute, Flösser, Binnenschiffer und Seeleute sowie Verladearbeiter ihr Brot verdienten und dass sie wesentlich zum Wissenstransfer beigetragen haben.

(s. Araber; Bernsteinstraße; coniuratio; Friesen; Gotlandfahrer, Gemeinschaft der; Handelsgüter; Handelsreisen; Handelszentren; Hanse; Juden; Kaufleute; Messen (Ökon.); Piraten; Seidenstraße; Verpackung; Wikinger; Zoll)




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