Feste

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Feste (mhd. feste, v. lat. festa = Fest[tage]; auch hochgeziten, hochziten). Kirchenfeste und weltliche Feste waren stets willkommene Gelegenheiten, die alltägliche Arbeit ruhen zu lassen und sich öffentlichen oder privaten, erhabenen oder ausgelassenen Feiern hinzugeben. Selbst Handwerker, die über die Vielzahl zumal der kirchl. Feste wegen des daraus entstehenden Arbeitsausfalls nicht erfreut gewesen sein dürften, nahmen im Rahmen ihrer Zünfte oder Bruderschaften jede festliche Gelegenheit wahr, sich selbst und und ihre Korporation möglichst prachtvoll und prestigefördernd darzustellen. Neben der unterhaltenden Funktion hatten Feste im Mittelalter – wie zu allen Zeiten – auch eine gemeinschaftsstiftende und -bestätigende Funktion. Gemeinschaftliches Essen und Trinken konnten auch eine rechtsrituelle Funktion haben, dienten zur Bestätigung bestehender Ordnungen und Rangpositionen. Überdies bestand bei festlichen Zusammenkünften Gelegenheit, Neuigkeiten zu erfahren, Geschenke auszutauschen und Almosen zu verteilen. Wegen der Sucht, durch übermäßigen Aufwand sich ins rechte Licht zu rücken, wurden für Stadt- und Landbewohner eine Vielzahl von regionalen Ordnungen zur Verhinderung selbstschädigender Ausgaben erlassen.

Die Bühne kirchlicher Feste war hauptsächlich der Kirchenraum, mit dem Aufkommen der Fronleichnamsprozession im 13. Jh. auch das städt. Umfeld, bei Flurumgängen die nähere ländl. Umgebung. Bürgerliche Feste, die stets auch religiöse Bezüge hatten, wurden auf dem Marktplatz oder dem Dorfanger, in der Kirche oder auf dem Kirchplatz, im Rathaus, in der Zunftstube, in Wirtshäusern oder in den Straßen gefeiert. Der Adel inszenierte seine Feste auf Burgen und Turnierplätzen, an kirchlichen Festen nahmen seine Repräsentanten auf herausgehobenen Logen teil. Anlässlich adeliger Hochfeste wie Schwertleite, Eheschließung oder Krönung wurden vom Straßenkot befreite und festlich geschmückte Städte tagelang zur Bühne feudaler Selbstdarstellung und allgemeiner Volksbelustigung. Bei Hoftagen, wie etwa dem zu Mainz (1184), wurden ganze Zeltstädte, gar eine Pfalz und eine Kirche aus Holz erbaut. Höfische Feste wurden wegen der Aussicht auf beständige gute Witterung, und somit auf optimale Bedingungen für Reise und Feier, vorzugsweise zu Pfingsten abgehalten.

Als Beispiel für die Gestaltung eines hochherrschaftlichen Festes im Spätmittelalter sei die Hochzeit Graf Eberhards V. von Württemberg mit der Markgräfin Barbara Gonzaga von Mantua im Juli 1474 genannt. Im Residenzort, dem kleinen Städtchen Urach (heute Bad Urach, am Rande der Schwäb. Alb), wurde in dreimonatiger Bauzeit der Marktplatz zur Turnierbahn mit Tribünen umgestaltet und neben der Burg ein hölzernes Tanzhaus erbaut. Die für die viertägigen Festtage eingeladenen ca. 2.000 Gäste wurden auf die zinspflichtigen Häuser des Ortes verteilt, Hafer und Heu für die 4.280 Pferde der Gäste wurden eingelagert, in drei Küchen wirkten 52 Köche, ein Tag und Nacht sprudelnder Brunnen spendete Wein für Jedermann; insgesamt sollen 150.000 Liter Wein getrunken worden sein. (Zit. nach P. Dinzelbacher)

(s. Eberhard im Barte)

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