Gesinde

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Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Gesinde (mhd., = Dienerschaft, Hausgenossen; auch: dienestliute, dageschalke, dagewerchte, ehalte). Häusliche Arbeiten wie Wasserholen, Feuermachen, Kochen, Putzen, Waschen, Flicken und Kinderbeaufsichtigung wurden in städtischen Haushaltungen von weiblichen Dienstboten unter der Aufsicht der Hausfrau erledigt. Sie stammten meist aus unfreien Familien vom Land, hatten weder freies Eigentum noch freies Konnubium, waren jedoch schon strafrechtlich geschützt. Neben Unterkunft, Kost und Kleidung erhielten sie einen geringen Lohn. Sie wurden von ihren Eltern im Alter von 8 bis 10 Jahren in den Dienst gegeben, perfektionierten darin ihre Fertigkeiten und kehrten nach ca. 10 Jahren mit einer kleinen Geldsumme, mit Wäsche und mit Kleidern für die Aussteuer in ihr Heimatdorf zurück, um dort verheiratet zu werden. Gelegentlich verdingten sich auch ältere Frauen – meist Witwen – als Dienstboten. Sie erhielten einen wesentlich höheren Lohn und konnten die Dauer ihrer Dienstzeit frei wählen.

Es gab deutlich mehr Mägde als Knechte und sie mussten zur Hälfte des Lohns der männlichen

Dienstboten arbeiten. Zudem wurden Dienstmägde nicht selten Opfer der Triebhaftigkeit des Hausherrn oder dessen männlicher Verwandtschaft. Waren sie “in Schande gefallen”, blieb ihnen meist nur der Ausweg in Bettel oder Prostitution.

Knaben wurden ähnlich wie Lehrjunge gehalten. Sie dienten als Pförtner, Hausknechte, Zuträger, Pferdeknechte, Kutscher oder Läufer, halfen in Handwerk und Gewerbe und erwarben dabei die entsprechenden Kenntnisse. Dienstboten bei Hof, in Adelshäusern oder in Haushalten arrivierter Bürger wurden zur Unterscheidung vom gewöhnlichen Dienstvolk in Livreen gesteckt. Je höher der Stand des Dienstherren, desto anmaßender war meist das Betragen der Diener Gleichrangigen gegenüber. Auch sie kehrten im heiratsfähigen Alter meist in ihren Herkunftsort zurück.

Verheiratetes Gesinde (Deputatgesinde) erhielt üblicherweise Naturalentgelt, Lohnland und eigene Wohnung.

Der Anteil der Dienstboten an der Einwohnerschaft war erstaunlich hoch; er war in größeren, kommerziell geprägten Städten größer als in kleineren Ackerbürgerstädten und schwankte zwischen 12 und 23% der Gesamtbevölkerung.

(s. Hofgesinde)

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