Gewandschneider

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Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Gewandschneider (mhd. gewant-, wantsnider; das Wort Gewand geht auf wenden zurück, was hier das Zusammenfalten der Tuche in Ballen bedeutet; mlat. pannicida, zu pannus/Tuch.) So wurden im Mittelalter Kaufleute bezeichnet, die Wolltuche in den in- und ausländischen Webereizentren ballenweise erwarben und abschnittsweise verkauften. Über ihr Geschäft gerieten sie vielerorts in Streit mit den Webern, Tuchmachern, Schneidern und Tuchhändlern, welche den lukrativen Handel gerne selbst betrieben hätten. Sie kamen bald zu Reichtum, organisierten sich in monopolistischen Zünften oder Gilden und stiegen in die ratsfähigen Kreise der Stadtbürgerschaft auf. Früheste Nennungen von Gewandschneidergilden finden sich für Magdeburg (1153), Augsburg (1276) und Hildesheim (1325). Den Reichtum der G. belegt, dass sie ihre Arbeitsstätte häufig von einer Krämerbude (wandbude) in ein repräsentatives Gebäude – etwa ein Rathaus oder ein extra erbautes Kaufhaus (Tuchhalle, Gewandhaus, mhd. wanthus, wantkeller) – verlegten, und dafür Mietzins an die Stadtkasse entrichteten.´

Gewandschneidergilden fanden sich zumeist in den Städten Nord- und Mitteldeutschlands, so in Stendal, Hildesheim, Dortmund, Magdeburg, Goslar, Halberstadt, Quedlinburg. Die Tuche bezogen sie aus den Niederlanden, aus Kastilien, Flandern, England oder der Toskana, wo feinwollige Schafrassen gezüchtet wurden.

(s. Gewandhaus, Wolle)

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