Handwerker

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Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Handwerker (mhd. hantwercman, hantworhte, hantwerker; lat. artifex, opifex, operator). Im Frühmittelalter produzierten die Mitglieder der fast ausschließlich bäuerlichen Gesellschaft ihre Bedarfsgüter selbst. Handwerkliche Spezialisten wurden zwar schon an den frühmittelalterliche Königs- und Fronhöfen sowie an den Klöstern gefördert, im bäuerlichen Bereich wurde das Handwerk jedoch bis weit über das Ende des Mittelalter hinaus als Neben- oder Zweiterwerb neben der Feld- oder Viehwirtschaft betrieben. Daneben hatten sich in den ehemaligen Römerstädten verschiedene handwerkliche Fertigkeiten der Spätantike, etwa Glasmacherei oder Steinbau, erhalten. Handwerker hatten kein freies Eigen, waren also keine freien Leute, sondern Hintersassen derjenigen weltl. oder geistl. Grundherrschaft, für die sie tätig waren. Relative Besserstellung erlangten sie, wo sie gelegentlich auch für den Markt arbeiten durften.

Von entscheidender Bedeutung für das Aufblühen der Handwerke war die Entwicklung der Städte vom 12. Jh. an. Die Handwerker entwuchsen der Hörigkeit und passten sich den differenzierten Bedürfnissen einer zunehmend komplexeren Gesellschaft durch die Ausbildung einer Vielzahl von Sonderberufen an (Nahrungshandwerker [Müller, Bäcker, Fleischer, Fischer usf.], Kleidungshandwerker [Spinnerinnen, Weber, Schneider, Walker, Schuhmacher usf.], metall-, holz-, tonverarbeitende Handwerke [Schmiede, Schlosser, Schwertfeger, Küfer, Wagner, Schildmacher, Töpfer], Bauhandwerker [Zimmerer, Steinmetze, Maurer, Putzer, Glaser usf.], Kunsthandwerker [Gold- und Silberschmiede, Bildhauer, Bronzegießer]). Vom bäuerlichen Selbstversorger unterschieden sie sich nunmehr durch Spezialistentum, Abhängigkeit vom Erlös, zünftige Ordnung, wachsendes Ansehen und allgemein höheren Lebensstandard. Die Reformatio Sigismundi von 1438 stellt fest: “Es sint hantwerck darumb erdacht, dass jedermann sein täglich brot damit gewin”.

In die handwerkliche Ausbildung trat man als Lehrjunge ein, setzte sie als Geselle fort, für den von der Mitte des 14. Jh. an in vielen Berufen eine Gesellenwandern üblich wurde. Die Gesellenzeit konnte mit der Meisterprüfung abgeschlossen werden, doch wurden bei weitem nicht alle Gesellen Meister.

Unüberschaubar ist die Zahl der mittelalterliche Handwerke und ihrer Sonderformen. In Nürnberg gab es 1363 bereits 50 Handwerke mit 1.216 Meistern, am Ende des 15. Jh. zählte man dort an 400 verschiedene Handwerkszweige.

Für alte oder in Not geratene Handwerker wurden vom 14. Jh. an Altmännerstiftungen eingerichtet, in denen Asyl und Fürsorge geboten wurde; beispielhaft für solche weltlichen Altenheime war das “Zwölfbrüderstift” des reichen Nürnbergers Konrad Mendel, gegründet 1388.

(s. Berufe; Frauen im Handwerk; Lehrtochter)

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