Hirsau (Kloster)

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Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Hirsau (Kloster). Das Benediktinerkloster im Nagoldtal bei Calw wurde 830 gegründet, hatte jedoch trotz Förderung durch die Karolinger und die Herzöge von Schwaben keinen Bestand und wurde Ende des 10. Jh. aufgelassen. Auf Initiative Papst Leos IX. (1049 – 54; s. Päpste, deutsche) und des Grafen Adalbert II. von Calw wurde das Kloster 1049 neu gegründet; Baubeginn war 1059, Einzug der Mönche 1065. Einen nach anfänglicher Blüte drohenden erneuten Niedergang wendete Abt Wilhelm ab, der 1070 von St. Emmeram in Regensburg gekommen war, 1071 zum Abt gewählt wurde und 1075 von Kaiser Heinrich IV. freie Vogtwahl und die direkte Unterstellung des Klosters unter den Hl. Stuhl erlangte (s. Wilhelm von Hirsau, Hirsauer Formular). In der Folgezeit stellte er – in Anlehnung an die Gewohnheiten der Cluniazensischen Reformbewegung – die Hirsauer Regel auf (1079) und setzte damit eine deutsche Klosterreform (s. “Hirsauer Reform”) in Gang. Im Investiturstreit war Hirsau eine Stütze der päpstl. Reformpartei. Nach 1150 ging der Einfluss der Abtei zurück, 1458 schloss sie sich der der Reformbewegung des Klosters

Bursfelde an.

Die architektonische Schule des Klosters (“Hirsauer Romanik”) wurde seit 1079 für viele Kirchenbauten in Mittel- und Süddeutschland sowie in Österreich richtungsweisend. Kennzeichnend sind Vereinfachung (im Gegensatz zu der in der übrigen Romanik ausufernden Vielfalt der Bauglieder), Verzicht auf Wölbung, Emporen und Krypta, Verwendung von Säulen mit Würfelkapitellen, Einführung eines chorus maior in der Vierung. Beispiele: die Kirchen in Alpirsbach (begonnen 1095), die Ruine der Klosterkirche Paulinzella (1107-24), St. Ägidius in Kleincomburg (Anfang 12. Jh.), St. Peter in Erfurt (beg. 1103), Bursfelde a. d. Weser (geweiht 1114), Prüfening bei Regensburg (geweiht 1119).

Ebenso vorbildhaft wie das Hirsauer Architekturprogramm wirkte die Hirsauer Schreibschule, in der zur Blütezeit unter Abt Wilhelm im 12. Jh. zeitweilig 60 Mönche mit der Illuminierung von Handschriften beschäftigt waren. Leider sind deren Werke im Lauf der Zeit sämtlich verschollen.

Im Investiturstreit erwies sich Hirsau als eine Hauptstütze der päpstl. Partei, Hirsauer Mönche trugen durch ihre Predigten zur Diskreditierung der kaiserl. Partei bei. (1692 wurde Hirsau nach Reformation und Säkularisierung von frz. Truppen zerstört.)

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