Karl IV




Karl IV. von Luxemburg (Taufname Wenzel, am frz. Königshof nach seinem Paten, dem König von Frankreich, auf den Namen Karl gefirmt; 1316-78). Sohn Johanns, Graf von Luxemburg und König von Böhmen aus dem Hause Luxemburg, und seiner Gattin Elisabeth von Böhmen. Er führte seinen Stammbaum väterlicherseits auf die Karolinger, mütterlicherseits auf die Premysliden-Könige zurück und zählte somit zum europäischen Hochadel. Geboren in Prag, erzogen am königlichen Hof in Paris (1323 – 29) und vertraut gemacht mit den politischen Affären in Italien, Böhmen und Mähren (1330 – 46), trat er 1347 in die Nachfolge seines Vaters ein, ein Jahr, nachdem er von den Kurfürsten als Gegenkönig von Ludwig IV. d. Bayer gewählt worden war. Als der von den Wittelsbachern nach dem Tod Ludwigs (1347) aufgestellte Gegenkönig Graf Günther von Schwarzenburg schon bald verstarb (1349), wurde Karl allgemein anerkannt. Durch seine erste Ehe mit Blanca (Margarethe) von Valois (1323-48) war er der frz. Dynastie verbunden. Die zweite Ehe mit Anna von Wittelsbach/von der Pfalz (1349-53) führte zur Aussöhnung mit den Wittelsbachern. Die dritte und vierte Ehe (1353-62 mit Anna von Schweidnitz, 1363-78 mit Elisabeth von Pommern) brachte Verbindungen zu östlichen Fürstenhäusern. (Karl IV. hatte aus vier Ehen 11 Kinder, die zwischen 1335 und 1377 geboren wurden. Acht davon erreichten ein heiratsfähiges Alter.)

Karls Regierungszeit war überschattet von einem katastrophalen Pestausbruch (s. Pest) und dadurch verursachten Judenschlächtereien (s. Judenpogrom).

Im Oktober 1350 wurde Karl von einer geheimnisvollen Krankheit befallen, die ihn mit paralytisch verkrampften Händen und Füßen auf das Krankenlager warf und etwa ein Jahr lang beinahe handlungsunfähig machte. Zeitgenossen vermuteten Gichtanfälle oder eine Vergiftung als Ursache; Wissenschaftler der Moderne erkennen auf eine bakteriell bedingte Polyneuritis.

1355 ließ er sich in Rom durch Kardinal Peter von Ostia, dem Vertreter des in Avignon residierenden Papstes Innozenz VI. zum Kaiser krönen, 1365 empfing er die Königskrone von Burgund. Seine ®”Goldene Bulle “, das Grundgesetz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, wurde auf den Reichstagen von Nürnberg und Metz angenommen (1356). Karls besonderers Interesse galt seiner Heimat Böhmen, wo er sich besonders um die Bautätigkeit in Prag verdient machte (s. a. Karlstein, Prag). Er gründete die Prager Universität (1348; s. Carolina) und die Prager Malerzeche (1349), berief die berühmtesten Wissenschaftler und Künstler seiner Zeit hierher, und machte die Stadt zum geistigen Mittelpunkt des Reiches. Seine Regentschaft war gekennzeichnet durch kluge Friedens- und Heiratspolitik, zielbewußte Finanzpolitik, umsichtige Förderung von Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst. Karl IV. sprach lateinisch, französisch, deutsch, tschechisch und italienisch. Er hinterließ als erster und als fast einziger der dt. Könige und Kaiser eine Autobiographie.

Karl war während seiner 30-jährigen an Krisen reichen Herrschaftszeit gezwungen, in seiner europaweit ausgreifenden Politik viele komplexe Probleme auszutarieren und für seine Zeitgenossen unverständliche und überraschende Entscheidungen zu treffen. Kein Wunder, dass sein Bild auch heute noch widerspruchsvoll erscheint, schwankend zwischen einerseits der verächtlichen Qualifizierung als fanatischer Reliquiensammler, frömmelnder “Pfaffenkönig” und “deutscher Erzstiefvater”, mit seiner Vertrags-, Heirats- und Verpfändungspolitik nur auf Mehrung seiner Hausmacht bedacht, und andererseits der Bewunderung als “Friedenskaiser”, als fürsorglicher Helfer der Bedrängten, als frommer Stifter, als Förderer der Wissenschaften und Künste, als Bauherr, als Urheber vieler Landfriedensgesetze und der “Goldenen Bulle”. Sein religiöses Herrschaftsverständnis, nach dem der König als Abbild der göttlichen Majestät, als christlicher Augustus, als das weltliche Haupt des christlichen Volkes gilt, weist ihn als noch dem Mittelalter zugehörig aus.

1376 wurde Wenzel, der 1350 geborene Sohn Karls IV., in Aachen zum dt. König gekrönt, 1378 starb Karl, nachdem er sein Reich unter seinen Söhnen Wenzel (Wenzel IV. von Böhmen; im Reich: Wenzel der Faule), Sigismund und Johann aufgeteilt hatte. Begraben liegt er im Prager Dom. Karls Politik hatte die Luxemburger zu den mächtigsten Territorialherren in Mitteleuropa gemacht. Schon eine Generation später gab es jedoch keinen männlichen Erben mehr, die Hausmacht der Luxemburger ging im Machtblock des Habsburger Reiches auf.

(s. Maiestas Carolina, Nürnberg)




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