Kirchenportal als Gerichtsort




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Kirchenportal als Gerichtsort. Vor dem Hauptportal bedeutender Kirchen bzw. in einer diesem vorgelagerten Halle (s. atrium, Paradies) fanden nach Rechtsbräuchen aus karolingischer und ottonischer Zeit noch bis zum Spätmittelalter weltliche und kirchliche Gerichtsverhandlungen statt. Dies belegen zahlreiche Justizakten, so in Regensburg (“in atrio”, 1183), Frankfurt (“ante gradus ecclesie”, 1232 und “ante portam”, 1248) oder Goslar (“in rufo ostio”, 1236). Mancherorts, wie etwa in westfälischen Werden (St. Salvator, Maria und Petrus, gegründet 799), wurde ein Westwerk speziell für Gerichtsverhandlungen und Synoden angelegt (beurkundet 943). In Straßburg befand sich im 13. Jh. eine abgeschrankte und überdachte Gerichtstätte am Südportal des Münsters unter einer Statue des königlichen Richters Salomon.

Das wohl häufigste Motiv des Tympanonreliefs über Kirchenportalen ist die Darstellung des Jüngsten Gerichts; es sollte nicht nur Gottesdiensbesucher, sondern auch die Teilnehmer an Gerichtssitzungen an die Heiligkeit eines Urteils, an Buße, Wiedergutmachung und Besserung gemahnen.

Portale, vor denen gerichtliche Verhandlungen abgehalten wurden, waren häufig rot gefasst (porta rubea), Rot war die Farbe der Blutgerichtsbarkeit, der Juristen und Richter. Derartige rote Portale lassen sich an den Domen in Essen, Frankfurt, Paderborn, Münster, Würzburg, Magdeburg, Bamberg und Erfurt sowie in der Xantener Kanonikerkirche nachweisen.




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