Kosmologie




Kosmologie (grch., = Lehre vom Weltall). Die Philosophen des Frühmittelalter bildeten ihre Vorstellung vom Kosmos nach den Lehren des Ptolemäus, der seinerseits auf der Lehre des Aristoteles aufgebaut hatte. Sie gaben allerdings – zumindest zeitweilig und auch dann nicht ausnahmslos – die Annahme von der Kugelgestalt der Erde zugunsten der einer scheibenförmigen auf. Im Mittelpunkt des räumlich endlichen Universums stellte man sich die Erde und die Welt unter dem Monde vor, über der sich die Planeten- und Fixsternsphären wölben. Auf der Erdenwelt befinden sich die Dinge in den vier möglichen Arten der Zustandsveränderung: Entstehen bzw. Vergehen, Zu- bzw. Abnahme, Ortswechsel und Qualitätsänderung. Die Welt über dem Monde, die Sphäre der 7 “Planeten” (Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn) und die Sphäre der Fixsterne (das Firmament), sind zwar in ewiger, gleichmäßiger Bewegung, sonst aber unveränderlich (s. Sphärenmodell).

Im 13. Jh. wurde die Naturlehre (Physik) des Aristoteles durch lat. Übersetzungen span.-arab. Schriften an europäischen Universitäten bekannt. Scholastische Denker bereicherten das Sphärenmodell durch eine zusätzliche, allumfassende Sphäre, die des selbst unbewegten, jedoch allesbewegenden Guten (des primum movens).

Als erster mittelalterliche Naturphilosoph hat der Franziskaner Bonaventura von Bagnoreggio (1217-74) in seiner Schrift “Collationes in Hexaemeron” von der Idee eines heliozentrischen Weltbilds gehandelt. Dabei sollte die Sonne auf Christus als den Mittelpunkt der Schöpfung verweisen. (Dieses Weltbild sollte sich erst im 16. Jh. mit der “Kopernikanischen Wende” durchsetzen.)

Aus einer anderen Perspektive erkannten spätmittelalterliche Gelehrte eine Dualität von Sternenwelt (Makrokosmus) und Menschenwelt (Mikrokosmos).

War die aristotelische Vorstellung von der räumlichen Struktur des Weltalls und deren Endlichkeit im wesentlichen übernommen worden, so änderten christl. Denker die von Aristoteles postulierte zeitliche Unendlichkeit der Welt radikal ab zu der Vortellung einer zwischen Schöpfung (creatio originans) und Jüngstem Tag eingespannten endlichen Heilsgeschichte. Das himmlische Jenseits betrachtete man als einen die Erde und die sie umgebenden Sphären umgebenden höchsten Bereich; die Hölle musste folgerichtig entgegengesetzt, also im Zentrum der Erde, gelegen sein.

(s. Planeten, Sphärenmodell)




Geburt und Tod, Ehe und Familie, Religion und das Verhältnis zur Natur … Robert Fossier führt uns ein in die mittelalterliche Welt und erzählt vom Leben derer, von denen wir bislang zu wenig wissen: der einfachen Menschen.

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