Krankheitsheilige




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Krankheitsheilige. Im christl. Glauben hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine Reihe von Heiligen etabliert, die als Helfer in Krankheitsnöten angerufen wurden. Vertrat die kirchliche Lehre den Standpunkt, dass Heilige nur durch Fürbitte bei Gott helfen könnten, so traute der Volksglaube den Heiligen selbst Wunderkraft zu. Sie wurden als Heiler gar höher geschätzt als der Wunderheiler Christus. Die Verehrung der Heiligen erlebte modische Schwankungen je nach Ort und Zeit; so wurde etwa einem St. Leonhard von Inchenhofen größere Wunderkraft zugeschrieben als dem von Dietramszell. Das Fachgebiet eines Krankheitsheiligen entsprach entweder einer frommen Legende, die sich um sein Wirken gebildet hatte, dem Körperteil, an dem er als Märtyrer gemartert worden war, oder wurde aus einer Namenseigentümlichkeit abgeleitet.

Wallfahrten und Pilgerreisen zu Kirchen, die einem oder mehreren Heiligen geweiht waren, welche als Fürsprecher und Helfer in bestimmten Nöten verehrt wurden, waren als wirkungsvoll angesehen und brachten eine Vielzahl von Wunderberichten hervor.

Eine kleine Auswahl von Heiligen, deren Hilfe und Fürsprache in bestimmten Anliegen gesucht wurde:

Jesus selbst wurde als nicht nur als Heiler der Sünder, sondern auch mächtigster Arzt der Kranken angesehen. Umgekehrt hat man im Arzt einen Helfer Gottes gesehen.

St. Blasius, der einen Knaben vor dem Ersticken an einer Gräte (bzw. an einer Kröte) gerettet hat, war Helfer bei Kehlkopf- und Halsleiden (wegen seines Namens auch bei Blasenleiden). St. Augustin wurde bei Augenleiden, St. Valentin bei Fallsucht um Hilfe gebeten. St. Erasmus (ital. Deminutive Ermo, Elmo) war im Mittelmeerraum Schutzpatron der Seeleute und führte als Attribut die Schiffswinde mit dem aufgespulten Ankertau. Dieses Attribut wurde im seefahrtsunkundigen Binnenland nördlich der Alpen als Exenterationshaspel fehlgedeutet, und St. Erasmus wurde zum Helfer bei Unterleibsbeschwerden (Koliken, Wehen). Bei Kopfschmerzen wandte man sich an St. Pantaleon und St. Athanasius. Stand St. Lucia ihres Namens (die Leuchtende, die Lichtträgerin) wegen im Ruf einer Helferin bei Augenleiden, so St. Odilia, weil sie – blind geboren – bei der Taufe sehend geworden war. St. Veit (Vitus) wurde bei Veitstanz und Fallsucht angerufen. St. Hubertus galt als Helfer gegen Hundswut. Die hl. Walpurgis half gegen Pest, verschiedene Kopf- und Gliederleiden und bei Geburtsnöten. St. Wolfgang wirkte Wunder bei Augenleiden und Fußbeschwerden. Die hl. Margarete half Gebärenden, St. Thekla bei Augenleiden und St. Apollonia gegen Zahnschmerzen. Zu St. Antonius (ägyptischer Eremit) betete man im Falle von Erkrankung an Brotseuche (Antoniusfeuer, -plage, -pein). St. Dionysius, erster Bischof von Paris, der nach seiner Enthauptung den eigenen Schädel vom Richtplatz zum Bestattungsort getragen hatte, galt als Helfer gegen Kopfschmerzen. Eheleute, deren Kinderwunsch unerfüllt geblieben war, brachten ihr Anliegen vor die hl. Verena, die in Zurzach am Hochrhein verehrt wurde. Seit der Mitte des 15. Jh. verehrte man die Vierzehn Heiligen (s. Nothelfer) als Helfer in allerlei Nöten und Krankheiten.




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