Krankheitsnamen




Krankheitsnamen. Da man im Mittelalter um die eigentlichen Ursachen von körperlichen und geistig/seelischen Störungen nichts wusste, benannte man man diese nach subjektiven oder objektiven Wahrnehmungen oder nach dem betroffenen Körperteil. So sprach man bei Krankheiten der Atemwege dem Leitsymptom entsprechend als von “huoste”, bei Epilepsie wegen der häufig mit Hinstürzenden einhergehenden Anfälle als von der “vallenden suht”, wegen der sich schwarzverfärbenden und unter brennenden Schmerzen absterbenden Gliedmaßen nannte man den Ergotismus “brant” oder “daz wilde viur”, für Lepra kannte man wegen der Isolierung der Kranken in Sondersiechenhäusern den Ausdruck “uzsetze”, von “gelsuht” sprach man bei Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten, als “besezzen” galt Einer, in den der Teufel eingefahren war, diesen besaß usw. Manche Krankheiten nannte man auch mit dem Namen des zuständigen Krankheitsheiligen, wobei die betreffende Legende zugrunde lag. Beispielsweise wurde die Bezeichnung “St. Antonjen viur” deshalb auf Ergotismus (s. Brotseuche) bezogen, weil der Heilige A. v. Ägypten als Schutzheiliger bei allen möglichen Hautleiden galt; hatte er doch die grässlichsten Bisse und Hiebe wütender Dämonen schadlos überstanden.

Ma. Krankheitsnamen spiegeln oft die Vorstellung von der Ursache, dem Zustandekommen oder der Heilung eines Leidens wieder. In vielen Fällen steht eine Bezeichnung für verschiedene Krankheiten, so kann Sucht (mhd. suht) stehen für Krankheit und Gebresten allgemein, aber auch für Pest, Aussatz, Durchfall, Fieber, Wahnsinn u.a.m., und erscheint spezifiziert in Zusammensetzungen (wazzersuht, swinsuht, vallendiu suht, gel-suht). Übergreifende Bezeichnungen waren auch Siechtum (mhd. siech-heit, siechelt), Pestilenz (spmhd. pestilenz), Krankheit (mhd. kranc-heit, krankeit).

Nachfolgend einige Beispiele spezieller Krankheitsbezeichnungen, die z.T. noch im heutigen Sprachgebrauch bestehen:

Gicht (mhd. giht, verjehen; ahd. gigihte, zu ahd. jehan = sagen, bekennen; dem ursprünglichen Sinn nach “Besprechen”, “Beschwören”, entsprechend der mittelalterliche Vorstellung, dass Leiden durch Bereden angezaubert werden können; Harnsäuregicht, Kalkgicht).

Podagra (mhd., nach grch. und lat.; Fußgicht, Zipperlein, mhd zipperlin nach dem für an Fußgicht Erkrankten typischen trippelnden Tritt, dem zippeltrit).

Nach der rotblühenden Rose werden Hautkrankheiten, die mit starker Entzündung und Rötung einhergehen als roete oder rose bezeichnet.

Geschwüre allerlei Art, auch solche, die mit einem Karzinom nichts zu tun haben, werden nach dem krabbelnden, ins Fleisch beißenden Tier ® “Krebs” (mhd. krebiz, krebze) genannt.

Geschwürige Hautentzündungen, wie sie etwa beim langen Gehen oder Reiten entstehen, heißen nach dem gierigen Raubtier “Wolf” (mhd. wolf = eigtl. “Reißer”; lat. lupus). Vielfach stehen “Wolf” und “Wurm” für um sich fressende Geschwüre und Krebsleiden. der ® Wurm spielt eine überragende Rolle in der mittelalterliche Volksmedizin: Zahnschmerzen dachte man als von an der Wurzel nagenden Würmern verursacht, auch Mitesser (Komedo) galten als Würmer, darüberhinaus waren Würmer verantwortlich für alle Leiden, die mit nagenden, bohrenden Schmerzen oder mit geschwürigem Fraß einhergingen und nicht zuletzt kannte man durch Beobachtungen an Kot oder am Darminhalt geschlachteter Tiere verschiedene Eingeweidewürmer. Letztlich waren Würmer auch an der Auflösung des Leibes beteiligt, frassen also auch das Abgestorbene, Verwesende

(s. Krankheiten, Krankheitsheilige)




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