Lese- und Schreibkunst




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Lese- und Schreibkunst. Die Laienwelt Europas bestand zu Beginn der hier betrachteten Epoche fast ausschließlich aus Analphabeten. Lesen und Schreiben waren klerikales Monopol. Weder Karl d. Gr. (768-814) noch Otto I. (936-973) konnten lesen und schreiben. Unterschriften unter Urkunden wurden fast ausnahmslos als Kreuze oder andere Zeichen gesetzt. In Klöstern Irlands, Englands und Italiens hatte sich antike Kultur erhalten, und von dort brachten missionierende Mönche wie Columban d. J. (im 6. Jh.), Bonifatius (in der 1. Hälfte des 8. Jh.), Alkuin (in der 2. Hälfte des 8. Jh.) oder der Gelehrte Johannes Scotus, genannt Eriugena (im 9. Jh.) die Lese- und Schreibkunst ins Frankenreich. An den Hof-, Dom- und Klosterschulen des frühen Mittelalters wurde indes nur der Mönchs- und Klerikernachwuchs unterrichtet. Nur hier gab es zuminndest bescheidene Bibliotheken sowie Skriptorien, um überkommenes Wissen zu erwerben und durch Kopieren weiterzugeben. Sprache der Gelehrten war das Lateinische, und zwar wurde in den Klosterschulen ein dem spätklassischen Idiom entsprechendes, und als weltliche Amtssprache das Mittellateinische benutzt. In den verschiedenen Regionen des karolingischen Imperiums gebrauchte man unterschiedliche Schriftarten, die sich von der römischen Majuskel herleiteten und schwer lesbar waren. Während des 8. Jh. wurde in der Abtei Corbie (Picardie) und in der Abtei St. Martin (Tours) eine Schrift mit klaren Lettern entwickelt, die sich allmählich im ganzen Reich durchsetzte: die karolingische Minuskel. Aus dem Jahr 781 stammt das erste Schriftstück, das ausschließlich in der vollentwickelten Minuskel geschrieben ist. Ab dem späten 11. Jh. wird die karolingische durch die gotische Minuskel abgelöst. – Als erstes Buch, das die Lesekunst behandelt, gilt das “Didascalion” des Hugo von St. Victor (um 1100 – 1141). Danach soll gemäß frühschloastischer Theorie das Erkennen der Schrift durch das leuchtende Auge des Lesers ermöglicht werden, dessen “Sendelicht” (lux oculorum) den Text erleuchtet.

Bis zum 12. Jh. sind Texte laut und vor Mithörern vorgelesen worden (praelectio), auch bei privatem Lesen murmelte man den Text vor sich hin; allenfalls meditierende Mönche haben stumm für sich allein gelesen. Wohl erst an den Universitäten setzte sich in größerem Umfang das stille Lesen durch. Da hierbei kein Zuhörer den Inhalt des gelesenen Textes noch die Art der Rezeption durch den Leser kritisch wahrnehmen konnte, wuchs die Angst der Kirche vor einer unkontrollierbaren Verbreitung häretischer Schriften, auch wenn die Zahl der potentiellen Leser noch sehr gering war.

Bis zum Ende des Mittelalter war die Lese- und Schreibkunst in Deutschland so weit verbreitet, dass sie von geschätzten10 – 30 % der Städter, mithin von 2 – 6 % aller Deutschen beherrscht wurde. (Unter Bauern herrschte weiterhin das Analphabetentum.) Damit war das Bildungsmonopol des Klerus beendet.

(s. Analphabeten, Bildung, Klosterschule, Minoristen, Mittellatein, Pfarrschule, Schreiben, Schreiber, Schrift, Stadtschule, Zeichensetzung)




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