Lettner




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Lettner (von mlat. lectorium, lectionarium = Lesepult; mhd. lecter, lectner, ledter, lettener, letter). Vom Ende des 12. Jh. an wurde in Kathedral-, Kloster- und Stiftskirchen der Klerikerchor (Sanktuarium) gegen Laienschiff und Querhausarme durch eine halbhohe Scheidewand – den Lettner (gegen das Schiff) – bzw. Schranken (gegen die Querhausarme) abgeschlossen. Der Zweck dieser Baumaßnahme war, den Kathedral- oder Stiftskapiteln einen vom übrigen Kirchenraum abgesonderten Bereich zu schaffen, in dem sie ungestört von den Laien das Chorgebet und liturgische Handlungen verrichten konnten.

Diese Scheidewand war aus Stein oder Holz gearbeitet und in der Gotik reich mit bildhauerischer Arbeit geschmückt (Reliefs, Vollplastiken, Laubwerkornament usf.). Zum Schiff hin ausgerichtet war darauf eine über Treppen erreichbare Tribüne (s. Ambo) gelegen, von der aus Predigten und Schriftlesungen, auch weltliche Verkündigungen gehalten wurden (“uf dem letter verkunden”). Gelegentlich war der Lettner auch Ort geistl. Rechtsprechung. Diese Tribüne war häufig so geräumig, dass sie als Sängerpodium genutzt werden konnte. Der Lettner war meist geradlinig zwischen die chor- oder langhausseitigen Vierungspfeiler eingespannt, selten sprang er polygonal zum Laienschiff hin vor (z.B. in St. Marien zu Gelnhausen, ehemals in der Stiftskirche in Aschaffenburg, in der Benediktiner-Abteikirche in Seligenstadt und im Mainzer Dom [Westlettner]). Vor dem Lettner stand, dem Langhaus zugewandt, der “Volks-” oder ®”Laienaltar”.

Als ältester erhaltener Lettner in Deutschland gilt der vor dem Ostchor des Naumburger Doms (um 1225; romanisch; als architektonische Konsequenz der hohen Krypta entstanden) und der gotische Lettner vor dem Westchor des gleichen Doms. Einander gegenüberstehende Lettner gab es auch in den doppelchörigen Domen zu Mainz und Worms. Schöne Beispiele für Lettner finden sich in der Marienkirche zu Gelnhausen (rares Beispiel eines Lettners in einer Pfarrkirche), in den Domen zu Magdeburg, Meißen, Lübeck, Halberstadt, Stendal und Havelberg, in den Kirchen des Zisterzienserklosters Maulbronn und des Prämonstratenserklosters Jerichow, im Doberaner Münster sowie in den Stiftskirchen zu Tübingen und Wechselburg. (Die meisten Lettner wurden nach einem Beschluss des gegenreformatorischen Konzils von Trient [1545-63] abgetragen, da sie einem neuen religiösen Empfinden nicht mehr entsprachen. An die Stelle der Lesebühne ist die Kanzel getreten.)




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