Literatur

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Literatur (lat. litteratura = Buchstabenschrift, Sprach-, Schriftkunst). Der Begriff beinhaltet jede Form schriftlich niedergelegter Texte (im Unterschied zu den ursprünglich nur mündlich überlieferten vorliterarischen Formen von Heldenepos, Volkslied, Sagen und Märchen). Zu den literarischen Zeugnissen des Mittelalter zählen nicht nur Werke der Dichtkunst (lyrische, dramatische, erzählende Werke), sondern auch Lehrdichtung, geistl. und weltl. Fachliteratur, Briefe, Dokumente, Biographien, religiöse und politische Traktate etc.

Fma. Literatur war geistliche Literatur im Dienste der Chrisitianisierung. Schriftsprache war zunächst ausschließlich das Lateinische, aus dem kirchliche Gebrauchsprosa (Taufgelöbnis, Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Beichtformel) und biblische Texte ins Althochdeutsche übersetzt wurde. Als Übersetzungshilfen entstanden lateinisch-deutsche Glossen (s. Abrogans) und Vocabularien. Auch wurden erstmals volkssprachliche Texte (Zauber- und Segenssprüche, Heldenlieder, Sprichwörter, Rechtssätze) in lat. Schriftzeichen niedergelegt, wurden somit germanische Dialekte literaturfähig. Als herausragende Beispiele geistlicher ahd. Literatur gelten Evangelienharmonien wie der in ostfränkischer Mundart gehaltene ®“Tatian“, der südrheinfränkisch geschriebene „Liber Evangelioreum“ (s. Otfried von Weißenburg) und der ®“Heliand“ in altsächsischer Kunstsprache.

In der nachkarolingischen Zeit kam die deutschsprachige Literatur fast gänzlich zum Erliegen („ottonische Lücke“), um erst um die Mitte des 11. Jh. wieder aufzuleben. Die Neubelebung war nicht zuletzt der cluniazensischen Reformbewegung zu verdanken, durch welche – zur Förderung von Laienfrömmigkeit und Heiligenverehrung – ins Volkssprachliche umgeschriebene und vereinfachte Werke angeregt wurden (s. Volkssprachen). Dieser Epoche sind Werke zuzurechnen wie das ®“Ezzolied“ (1063), die „Wiener Genesis“ (1060/80; s. Engel), das „Annolied“ (1080/85), die Werke der Frau Ava und das Gedicht „Von dem gemeinen leben und des todes gehügede“ des Heinrich von Melk. Die fmhd. geistliche Dichtung klingt aus mit Marienliedern und epischen Marienleben.

Noch im 12. Jh. trat zur geistlichen Dichtung die die höfische Dichtung des Rittertums mit Epen, Romanen, mit Minne- und Spruchlyrik. Im Mittelpunkt des Interesses standen Welterfahrung und geschichtliche Ereignisse. Der höfischen Dichtung stand in der Vagantenlyrik die Dichtung fahrender Studenten gegenüber. Im sakralen Bereich entstehen im 13. Jh. erste Werke des Geistlichen Spiels.

Auch in der spätmittelalterliche Literatur (ca. 1300-1500) war der Anteil geistlicher Werke außerordentlich hoch. Daneben gewann die Dichtung des Stadtbürgertums an Bedeutung (s. Meistersang, Mystik). Zu den unzähligen Werkformen des Spätmittelalter gehören Reimreden, Mären, Fabeln, Bauernspott, Tierdichtung, Sach- und Reiseliteratur, Schachallegorien, Städte- und Familienchroniken, Autobiographien u.a.m.

Die volkssprachige Literatur des Mittelalter hat sich fast ausnahmslos der Versform bedient; keines der großen Epen wurde in Prosaform geschrieben. Eine Ausnahme bildet der Prosa-Roman „Lancelot“ („Dye gesta oder getat von herren Lantzilet vom Lack“ [Lack = lacus]) des ® Ulrich Füetrer. Im Spätmittelalter wurden Prosaauflösungen von Versromanen populär, so etwa beim „Wilhelm von Österreich“ des Johann von Würzburg oder beim „Hugo Scheppel“ der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. (Erst im 17. Jh. sollte sich die Prosaform in der Gattung Roman allgemein durchsetzen.)

Rezipienten literarischer Werke waren bis zum Spätmittelalter nicht nur die wenigen Lesekundigen, sondern eine zahlenmäßig weitaus bedeutendere illiterate Zuhörerschft. Zum Vorlesen dienten keine Luxushandschriften, sondern nach Inhalt und Aufmachung eher schlicht gehaltene Exemplare, deren Illustrationen dem Vorleser als Demonstrationsobjekt, als Interpretationshilfe und Gedächtnisstütze dienten. Erst mit steigender Alphabetisierung und mit dem Aufkommen von Papier und Buchdruck wurde die Literatur einer breiteren Leserschaft zugänglich, entstand auch volkstümliche Literatur im eigentlichen Sinn anstelle der bis dahin für die „Einfältigen“ umgeschriebenen Werke. Bis zum Ende des Mittelalter war jedoch die „Schriftlichkeit …. eine Insel im Meer der mündlichen Wortschöpfungen“ geblieben (A.J. Gurjewitsch).

(s. Alexanderstoff, Almanach, Ambraser Heldenbuch, Annalen, Antidotarium, Ars dictaminis, Artusdichtung, Arzneibuch, Autobiographie, Autorenverzeichnis, Ballade, Bauerndichtung, Bauernspiegel, Biographie, Bispel, Brief, Bußbuch, Chronik, Deutschordensliteratur, Dokument, Drama, Enzyklopädie, Epik, exemplum, Fabel, Fachliteratur, Fürstenpreis, Fürstenspiegel, Gegensang, geistliches Spiel, Gesta, Glossar, Hagiographie, Hausbuch, Heldendichtung, Herbarien, höfische Dichtung, Itinerar, Komik, Lapidarium, Legenden, Lehrdichtung, leich, Lied, Lügendichtung, Lyrik, Märchen, Meistersang, Minnesang, Mirakelbücher, Mischpoesie, mittellateinische Literatur, Musterbücher, Mystik, Novelle, Paarformeln, Parodie, Pecia, Pilgerliteratur, Predigt, Preislied, Prosa, Rechtsliteratur, Rechtssprichwort, Reimchronik, Reiseliteratur, Roman, Saga, Sage, Satire, Schöppenbuch, Schreinsbuch, Schwank, Seelbuch, Speculum, Sprechspruch, Sprichwort, sprichwörtliche Redewendung,

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