Mechanik




Mechanik (v. lat. ars mechanica = die Kunst, Maschinen zu bauen). Isidor von Sevilla (um 600) definierte die Mechanik als den sechsten Teil der Physik, als Ausgangspunkt jeder handwerklichen und technischen Fabrikation. In einem Glossar zu Alkuins “Rhetorik” (um 800) wird Mechanik umschrieben mit “die Erfahrung, das Können in der Herstellungskunst in Metallen, Hölzern und Steinen”. Johannes Scotus Eriugena stellt die mechanischen Künste als Erfahrungswissenschaft den Buchwissenschaften der Freien Künste gegenüber.

Die Entwicklung und praktische Anwendung von Maschinen wie Hebevorrichtungen, Wasserrädern oder Katapulten gingen im Mittelalter wie in der Antike der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den mechanischen Wirkprinzipien voraus. An der Schwelle zum Mittelalter fand die Deutung von Bewegungsvorgängen zunehmend das Interesse der Gelehrten. Dabei spielte die Impetuslehre des Philopomus (um 500) eine bedeutende Rolle, derzufolge die Schwungkraft, die einem Körper vermittelt (“eingeprägt”) wird und ihn in Bewegung versetzt, nach einiger Zeit zum Erlahmen kommt, was zu Stillstand bzw. Herabfallen führt. Hieraus wurden Bewegungsabläufe an Maschinen oder Flugbahnen von Geschossen erklärt. Von großem Einfluss waren die Kenntnisse arab. Techniker, wie sie vom 12. Jh. an nach Europa vermittelt wurden (z.B. in dem im 9. Jh. entstandenen “Buch der Handwerkskünste” der Söhne des Musa ibn Shakir). Das empirische Berufswissen fand in zunehmenden Maße Anschluss an die wissenschaftl. Lehre und ging in das System der Septem artes ein.

Seit Anfang des 13. Jh. kam es in Europa zu einem Aufschwung des Maschinenbaus (z.B. Kräne, Wippdrehbank, Windmühlen, verschiedene Werkmühlen), wodurch die mechanischen Künste der Antike und der arab. Welt überflügelt wurden und die Blüte der handwerklichen Kultur im Spätmittelalter (und in der Neuzeit) erst ermöglicht wurde. Als gelehrte Exponenten dieser Entwicklung seien Jordanus Nemorarius, Roger Bacon, Buridanus und Marsilius von Inghen genannt. Am Ende des Mittelalter entstehen reich bebilderte Handschriften über die Kriegs- unf Maschinentechnik wie die des Konrad Kyeser.

(s. Buridanus, Johannes)




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