Müstair

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Müstair (Kloster St. Johann; der rätoromanische Name leitet sich her von Monasterium). Im schweizerischen Kanton Graubünden gelegenes Benediktinerinnenkloster, das im letzten Viertel des 8. Jh. als Residenz und Eigenkloster des Bischofs von Chur gegründet worden war und 806-881 den Status eines Reichsklosters hatte. Im 12. Jh. war der Mönchskonvent in ein Frauenkloster umgewandelt worden.

Nach der Klosterlegende geht die Stiftung auf Karl d. Gr. zurück, der auf der Rückreise von der seiner Krönung zum König der Langobarden (774) in einen Schneesturm geraten und knapp dem Tod entronnen sei; als Dank für die Rettung habe er das Kloster gestiftet. Ausschlaggebend für die Gründung dürften reichs- und diözesanpolitische Gründe gewesen sein. Die Altersangabe wird durch dendrochronologische Befunde gestützt.

Die karolingische Klosterkirche Sancti Johannis Baptiste in Monasterio war ursprünglich eine flachgedeckte Saalkirche mit fünf Apsiden, von denen drei erhalten sind. In got. Zeit wurde der ungegliederte Kirchenraum durch eingezogene Stützen und Gewölbe stark verändert.

Ins 11. Jh. fällt der Neubau der bischöflichen Residenz im Klosterbezirk; es entstanden der viergeschossige, zinnenbekrönte Plantaturm (ältester Wohn- und Wehrturm der Schweiz, benannt nach der Bauherrin, der Äbtissin Angelina Planta), der Kreuzgang und die Doppelkapelle St, Ulrich und St. Nikolaus.

Die Kirche St. Johann birgt als besonderen Schatz einen karolingischen und romanischen Freskenzyklus, der in ca. 100 Einzelszenen Geschehnisse aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus Heiligenleben vor Augen stellt. Farblich sind die Bilder von Rotbraun beherrscht, stilmäßg an spätrömischen und byzantinischen Vorbildern ausgerichtet. Den Höhepunkt der Bildertheologie bildet die Darstellung des Jüngsten Gerichts, die älteste Monumentaldarstellung zu diesem Thema. Die im 15. Jh. übertünchten Fresken wurden Ende des 19. Jh. wiederentdeckt und werden seither restauriert.

Die kulturhistorisch bedeutende Klosteranlage ist seit 1983 schweizerisches Weltkulturerbe der UNESCO.

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