Nothelfer

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Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Nothelfer (mhd. nothelfaere, -helferinne; lat. Auxiliatores, Adjutores). Wahrscheinlich von Regensburg her kam im 13.-15. Jh. über die Oberpfalz in den Diözesen Bamberg und Würzburg sowie um die Städte Nürnberg und Augsburg die Verehrung einer Gruppe von 14 Heiligen auf, deren Mitglieder – mit Ausnahme des hl. Ägidius sämtlich Martyrer – jeweils in bestimmten Notsituationen um Hilfe angerufen wurden (Quattuordecim Auxiliatores). Meist werden der Gruppe der Vierzehn Nothelfer zugerechnet (in Klammern die jeweiligen Attribute und Heilsanliegen):

Achatius (dargestellt als Soldat mit Dornenkrone; Helfer bei schweren Krankheiten und in Todesnot),

Ägidius (auch Gilg, Gilles, Till; Einsiedler Hirschkuh; Beistand in Unglück und Verlassenheit, Schutzheiliger der Jäger und Hirten),

Barbara (mit Kelch, Hostie, Turm; schützt gegen Blitzgefahr, Feuersnot, Fieber und Pest; Patronin der Bergleute und Büchsenmeister),

Blasius (dargestellt mit zwei brennenden gekreuzten Kerzen; Helfer bei Hals- und Darmleiden; Patron der Kerzenzieher),

Christophorus (das Jesuskind auf der Schulter tragend; Schutzheiliger gegen Pest und plötzlichen, “üblen” Tod; Patron der Reisenden, Schiffer und Flößer),

Cyriacus (mit einem gefesselten Dämon; Helfer gegen Besessenheit),

Dionysius (mit seinem abgeschlagenen Kopf in Händen; hilft bei Kopfschmerzen und Gewissensängsten),

Erasmus (eine Exenterationswinde [eigtl. Ankerwinde] haltend; Helfer bei Unterleibskrankheiten; Patron der Seeleute),

Eustachius (mit einem Hirsch, der ein Kreuz zwischen den Geweihstangen trägt; Helfer in Glaubenszweifeln und schweren Schicksalschlägen; Patron der Jäger),

Georg (dargestellt als Ritter und Drachentöter; Schutzpatron der Ritter [Deutschritterorden, Templer u.a.], der Reiter und Pferde),

Katharina (mit zerbrochenem Rad; Helferin gegen Leiden der Zunge, Patronin des Lehrstandes),

Margareta (mit Kreuz und angekettetem Drachen; wurde von Gebärenden angerufen, Patronin des Nährstandes),

Pantaleon (Nägel bzw. aufs Haupt genagelte Hände; Helfer gegen Kopfweh; Schutzpatron der Heilberufe),

Vitus (Hahn, Kessel; Helfer der Epileptiker; Patron der Schmiede und Apotheker).

Nachdem 1445/46 der Langheimer Schäfer Hermann Leicht zu Frankenthal (nahe dem oberfränk. Lichtenfels) mehrere Visionen der Nothelfer mit dem Jesuskind hatte, erhielt der Kult starken Auftrieb. Nach örtlichen Brauch wurden Heilige aus der o.g. Reihe durch andere, besonders verehrte Schutzheilige ersetzt, etwa durch Sebastian, Leonhard, Oswald, Pankratius, Wolfgang oder Magnus.

(s. Barbara, Blasius, Christophorus, Erasmus, Heilige)

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