Paramente




Paramente (lat. paramenta = im christlichen Gottesdienst übliche liturgische Kleidung; zu lat. parare [mensam] = [den Tisch] bereiten, zurüsten). Hierzu zählen zunächst die Gewänder, die der Priester zum Altardienst trägt. Diese gingen während der Zeit des frühen Christentums im byzantinischen Raum aus den Kleidungsstücken der reichen Oberschicht hervor. Des witeren werden den Paramenten nichtliturgische Alltagsgewänder (wie der Talar) und Accessoires zugerechnet, welche die liturgische Kleidung ergänzen (z.B. Manipel, Pallium, Velum, Zingulum).

Erste Bestimmungen zur Kleidung von Bischöfen und Priestern erließ im Jahre 754 Papst Zacharias, der größte Einfachheit im Sinne des christlichen Armutsideals einschärfte. Bis zum 9.Jh. war die liturgische Kleidung der römischen Kirche endgültig festgelegt worden. Später sollten sich nur noch unwesentliche Änderungen ergeben.

Als erstes Gewand ist die ®Albe (v. lat. albus = weiß) zu nennen, ein fußlanges, hemdartiges Gewand mit langen Ärmeln, gefertigt aus weißem Leinen, abgeleitet von der antiken Tunika, vom Prister als Untergewand über der alltäglichen Kleidung getragen. Das Weiß der liturgischen Tunika sollte an die Reinheit des Taufkleides erinnern und an die “weißen Gewänder” der Offenbarung Johanni. Die Albe wird in der Taille vom Zingulum (lat. cingulum = Gürtel) gehalten, bestehend aus einem Knotenstrick oder einem schmalen weißen Tuchstreifen.

Im 8. Jh. kam das Humerale (lat., = Schultertuch; auch Amikt genannt, aus lat. amictus = Gewand) auf, ein viereckiges weißes Leinentuch, das der Priester vor dem Anlegen der Albe um den Nacken und über die Schultern legt. Bisweilen wird das Humerale so getragen, dass es als Kragen über das Messgewand fällt.

Über der Albe wurde die ®Stola (lat., v. grch. stole = Rüstung, Kleidung) getragen, ein Überwurf, abgeleitet von dem knöchellangen Obergewand vornehmer römischer und byzantinischer Damen. Die Stola war durch parallel von den Schultern bis zum unteren Saum verlaufende Schmuckstreifen verziert. Im Laufe der Zeit kam dieses priesterliche Obergewand außer Gebrauch, davon übrig geblieben ist die Schmuckborte, die über der Albe um den Nacken gelegt über die Brust bis zu den Knien fällt. Die Stola versinnbildlicht das Joch Christi gemäß Matthäusevangelium 11,29.

Am linken Handgelenk trug der Priester die Manipel (lat. manipulus = Handtuch, Schweißtuch), eine Art Taschentuch, das der Priester benutzte, um die heiligen liturgischen Geräte nicht mit bloßen Händen zu berühren. Das Tuch hat sich im Laufe der Zeit zu einem schmalen Stoffstreifen zurückgebildet, der der Stola in Material und Schmuck gleicht. Dieser Bestandteil der Paramente wird erstmals durch Papst Gregor d. Großen (590 – 604) erwähnt.

Über Albe und Stola wird das Messgewand, die ®Kasel (mlat. casula = kleines Haus, Zelt, Hütte, Kapuzenmantel) getragen, ein weiter, ärmelloser Überwurf nach Art der Pänula, des Mantels römischer Senatoren. Sie war aus einem einzigen Stück Stoff geschnitten, hatte eine Öffnung für den Kopf und umhüllte den Körper wie eine Glocke (“Glockenkasel”). Um die Bewegungsfreiheit ihres Trägers zu verbessern wurde die ursprünglich bodenlange Kasel verkürzt, im weiteren Verlauf wurden die Seiten geöffnet, um den Armen Spielraum zu geben, und die unteren Kanten gerundet. Im Gegensatz zu der schmucklosen Albe war die Kasel schon frühzeitig aus kostbarem Material (Seide, Samt) gefertigt und mit reichem Schmuck (Stickereien verschiedener Technik) versehen. Da der zelebrierende Priester vom Hochmittelalter an der Gemeinde den Rücken zuwandte, war die Rückseite der Kasel reicher verziert als die Vorderseite. Die Farbe der Kasel entsprach der jeweiligen liturgischen Tagesfarbe (s. Farbensymbolik).

Als ®Dalmatik (v. lat. dalmatica = aus Dalmatien stammend) bezeichnet man ein Obergewand aus weißer dalmatischer Wolle, wie es nach römischem Vorbild von Diakonen bei der Messe getragen wurde.

Aus der Kasel entwickelt ist das Pluviale (lat., = Regenmantel), auch Chor- oder Rauchmantel genannt, das vom Priester bei feierlichen nichteucharistischen Gottesdiensten – etwa bei Prozessionen, Beerdigungen oder Andachten – getragen wird. Der Form nach ein fußlanger, halbkreisförmig geschnittener Chormantel mit Rückenschild (der Kümmerform einer Kapuze); der Mantel wird vor der Brust mit einer reich verzierten Metallspange (Tassel, Pektorale; mit Goldschmiede- und Emailleschmuck) zusammengehalten.

Schon im Mittelalter kam als Alltagsgewand der Priester der Talar auf, ein schwarzer, knöchellanger, vorne offener oder geknöpfter Mantel. (Die Bezeichnung geht auf lat. talaris vestis = knöchellanges Gewand zurück, wie es auch von Richtern oder Hochschullehrern als Amts- und Festtracht getragen wurde.) Aus dem Talar ging die körpernäher geschnittene Soutane hervor.

Das Chorhemd oder Rochett (v. frz. rochet), ein hüft- oder knielanges weißes, in Falten gelegtes Obergewand, oft verziert mit Spitzen und Rüschen, trug der Priester bei nichteucharistischen Gottesdiensten über dem Talar. Überdies war es das übliche Gewand der Messdiener.

Hohen Geistlichen war das Tragen der Mozetta (v. lat. almutia über ital. almozetta) vorbehalten, eines vorn geknöpften Schulterkragens mit kleiner Kapuze. Die Mozetta der Bischöfe war violett, die des Papstes und der Kardinäle rot.

Die ®Mitra (lat./grch., = Stirnbinde), eine in zwei Spitzen auslaufende Kopfbedeckung, war Amzszeichen von Bischöfen und Äbten.

Dem Papst war das Tragen der ®Tiara, der über der Mitra getragenen dreifachen Krone (“triregnum”), vorbehalten.

Das ®Birett gehört zur Alltagskleidung der Geistlichen. Während des Gottesdienstes wurde es nur beim Sitzen oder Gehen getragen, nicht jedoch während des Altardienstes.

Metropoliten (Erzbischöfe mit eigener Kirchenprovinz) zeichnete das Pallium (kirchenlat.) aus, ein weißes Wollband mit sechs schwarzen Kreuzen, das über die Schultern gelegt wird.

Als Velum (lat., = Hülle, Tuch, Segel) bezeichnet man ein Seiden- oder Leinentuch zum Bedecken der Abendmahlsgeräte oder zum Verhüllen der Hände beim Tragen der Monstranz.




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