Parodie

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Parodie (von grch. parodia; hier: komisch-satirische Umbildung oder Nachahmung eines bekannten literarischen Werks oder Stils). Verfasser von Parodien waren zunächst Angehörige gebildeter Stände wie niedere Kleriker oder fahrende Scholaren und so waren Parodien ursprünglich in Latein abgefasst. Ziele ihres respektlosen Witzes waren Gegenstände und Figuren des Glaubens und der Theologie sowie der Minnekult und das Heldenlied. Wenn nur wenige Beispiele der Gattung überliefert worden sind so liegt das daran, dass die Werke zum mündlichen Vortrag in der Taverne bestimmt waren und auch vielfach geistlicher Zensur zum Opfergefallen sind.

Zu den bekanntesten Parodisten deutscher Sprache gehören Der Stricker, Tannhäuser und Steinmar von Klingnau, die vor allem die Minnedichtung karikiert haben.

Anonym überliefert sind die beiden wohl in Tirol entstandenen Gedichte “Der Weinschwelg” und “Die böse Frau” aus der zweiten Hälfte des 13. Jh. Beide sind Rollenmonologe; das erste der eines gewaltigen Säufers, der eine seiner Orgien beschreibt, das zweite der einer üblen Ehefrau, die auf groteske Weise ihren Mann unterdrückt und verprügelt. Beide nehmen in überspitzter Weise Bezug auf höfische Dichtung.

(s. Gegensang, Kontrafaktur, Lügendichtung, Vagantenlyrik, Verkehrte Welt)

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