Pornographie

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Pornographie ( zu grch. pornographos = über Huren schreiben). Darstellung sexueller Akte bzw. der geschlechtsspezifischen Körperteile in Wort und Bild oder in der plastischen Kunst waren im Mittelalter ohne größere Bedeutung. Der Grund dafür, dass nicht am erotischen Vergnügen der Antike angeknüpft worden ist, liegt in der rigorosen Leib- und Lustfeindlichkeit und Sexualitäts-Diffamierung des Christentums. Allenfalls in einigen Versen der Vagantenlyrik, in Szenen der Fasnachtsspiele und grobianischer Burlesken, in einigen frivolen Reimen der Minnelyrik sowie – allerdings mit apotropäischer oder lehrhafter Absicht – in der Rand- und Initialen-Illumination von Handschriften sowie in den Drolerien der kirchlichen Bauplastik. Auch in den Akten der Hexenprozesse fand die Schilderung von Sexualpraktiken zwischen dem Satan bzw. seinen Dämonen und den Hexen breiten Raum.

Die Vorstellung, sexuelles Begehren sei eine Krankheit, die durch das Auge hervorgerufen wird, findet sich häufig in der mittelalterliche Dichtung, so in dem Roman “Cligès” des Chrestien (Chretien) des Troyes (12. Jh.): “Wie hat der Pfeil dir den Leib durchschossen, ohne dass man eine Wunde sieht?”, “Durch das Auge” lautet die Antwort.

Ausgesprochen pornographische Szenen sind erst im Spätmittelalter aufgekommen, aber auch sie finden sich im Kontext frommer Anschauung, so etwa bei der Darstellung von Adam und Eva, die vor dem Sündenfall nicht anders als in unschuldiger, “paradiesischer” Nacktheit gedacht wurden; wenn im Stundenbuch des Duc de Berry Frauenseelen in Gestalt üppiger Nackter im Höllenpfuhl gequält werden; wenn nackte Märtyrerinnen sexuelle Sadismen erleiden oder wenn ein verführerischer Frauenkörper als Personifikation der Luxuria (Unkeuschheit) sich wollüstig räkelt.

Um sexuelle Praktiken ging es auch im Beichtstuhl, wenn der Beichtiger detailliert nach allen denkbaren geschlechtlichen Techniken fragte und diese dem Beichtling oft erst bekannt machte.

(s. Sexualität und Erotik im Schauspiel)

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