Richard Löwenherz




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Richard I. Löwenherz (1157 – 99). Sohn des engl. Königs Heinrich II. Plantagenet und der Eleonore von Aquitanien, in deren mütterliches Erbe (Aquitanien) er tritt und dort nach frz.-höfischer Tradition lebt. Über dem Streit um die Erbfolge entzweit er sich mit seinem Vater. Dieser stirbt 1189, ohne sich mit Richard ausgesöhnt zu haben. Noch im gleichen Jahr wird Richard zum König gekrönt. Kurz darauf erhebt er Kreuzzugssteuern, überlässt die Verwaltung Englands den Beamten seines Vaters und bricht nach Palästina auf. Er erobert Zypern von den Byzantinern, befehligt die Belagerung Akkons und zeigt derart verwegenen Mut, dass ihm der Beiname Coeur de Lion verliehen wird. Nach der Einnahme Akkons (1291) erobert er die Länder an der Mittelmeerküste bis hin nach Askalon. Seine Bemühungen, Jerusalem zu nehmen, schlagen jedoch fehl. Er schließt einen Waffenstillstand mit Sultan Saladin und bricht den Kreuzzug ab. Auf dem Rückweg wird Richard bei Wien unter falschen Anschuldigungen gefangengenommen und von Herzog Leopold von Österreich dem Kuenringer Hadamar II. zur Haft auf Burg Dürnstein (Wachau) übergeben. Leopold nimmt so Rache für die Beleidigung seiner Fahne durch Richard nach der Eroberung von Akkon. Kaiser Heinrich VI. leitet ein Gerichtsverfahren gegen Richard, muss diesen freisprechen, ohne ihn jedoch zu entlassen – er setzt ihn auf Burg Trifels fest und bestimmt das immense Lösegeld von 130.000 Mark Silber (= 35.000 kg Silber). Sofort nach seiner Freilassung wendet sich Richard gegen Philipp II. von Frankreich, der seine Abwesenheit benutzt hatte, um normannische Ländereien im Norden Frankreichs an sich zu bringen. Nach dem Sieg über Philipp bei Freteval (1194) zieht er nach Aquitanien, um aufsässige Lehnsleute niederzuwerfen. In einem der Kämpfe wird er bei Limoges von einem Armbrustbolzen verletzt und stirbt kurz darauf – 41 Jahre alt – in den Armen seiner Mutter (06.04.1199). Sein Leichnahm wurde in der Abtei Fontevrault bestattet, sein Herz in der Kathedrale zu Rouen.

Richard wird bald zu einem Großen der Heldenlegenden, obwohl sein politisches Wirken England nichts eingebracht hat. Das Land, in dem er sich kaum je aufgehalten hat, wurde von einem Verwaltungsapparat in Ordnung gehalten, der noch von seinem Vater geschaffen worden war.

(s. Blondel de Nesle, Jerusalem; Kreuzzüge, Geschichte der)




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