Salpetergrube

Cinque Terre Forest
Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Salpetergrube. Nachdem Ende des 14. Jh. der Bedarf an Schießpulver – und damit an Salpeter – immer größer geworden war und die herkömmlichen Methoden der Salpetergewinnung (s. saliterer) nicht mehr hinlänglich ertragreich und Importsalpeter zu teuer waren, wandte man sich einer Methode künstlicher Salpetererzeugung zu. Eine wahrscheinlich aus Konstanz stammende Handschrift des 15. Jh. beschreibt das Verfahren: Grabe eine Erdgrube und bedecke den Boden zwei Finger dick mit gebranntem Kalk, breite darüber ein schuhdicke Schicht von Stroh und (kalkhaltiges) Erdreich, darüber wieder Kalk und dann noch eine Schicht von Stroh und Erde. Gieße dann drei Wochen lang täglich Jauche darauf, dann kannst du Salpeter davon sieden und die Grube wieder beschicken. – Eine ähnliche Anleitung findet sich in dem waffenrechnischen Handbuch “Bellifortis” des Konrad Kyeser (15. Jh.). In einer Handschrift von 1428 wird ein Grubenverfahren mit gebranntem Kalk und Schafsmist bei einjähriger Rotte beschrieben.

Salpetergruben waren überdacht, maßen etwa 3 mal 3 m und waren etwa ebenso tief.

Bei jeder neuen Beschickung der Gruben wurde der Inhalt mit alter Grubenerde vermischt, welche nitrifizierende Bakterien enthielt. Die Bakterien vermehrten sich rapide und setzten die Stickstoffverbindungen des organischen Materials (Mist, Jauche, Schlachtabfälle, Kadaverteile) in Nitrate um. Während der Rotte musste der Grubeninhalt häufig durchgemischt werden, damit die Bakterien genügend Luft-Sauerstoff bekamen. Das nach ein bis zwei Jahren ausgehobene erdig-jauchige Substrat wurde ausgekocht, danach gesiebt und filtriert, mit Holzasche versetzt, weiter eingedickt, getrocknet und endlich zu feinem Pulver vermahlen. (Die Zugabe von Holzasche hatte den Zweck, den Natriumsalpeter in den wesentlich weniger feuchtigkeitsbindenden Kalisalpeter zu überführen.)

Die Salpeterausbeute wird für das Grubenverfahren mit 6 : 1 angegeben, d.h. aus 6 kg durchgefaultem Grubeninhalt konnte 1 kg Kalisalpeter gewonnen werden..

Salpeter war der teuerste Bestandteil des Schießpulvers. Durch die Einführung des Grubenverfahrens konnte der Preis innerhalb der Zeit zwischen 1380 und 1406 auf ein Fünftel gedrückt werden.

(s. Salpetergarten, Schießpulver)

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