Schlaf




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Schlaf (mhd. slaf; lat. somnus). Die Notwendigkeit, durch regelmäßigen Schlaf an Körper und Geist erquickt zu werden, war dem Menschengeschlecht – ebenso wie die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme – erst als Folge von Adams Sündenfall auferlegt worden; im paradiesischen Urzustand hatte es Beider nicht bedurft. Nach Hildegard v. Bingen ist das durch Arbeit oder langes Wachen ermüdete Mark – Sitz feuriger Lebenskraft – verdünnt und schwach geworden; nun “holen die Seelenkräfte … einen höchst angenehmen und sehr süßen Hauch aus dem Mark hervor der … die Gefäße des Kopfes erfüllt und so den wehenden Lebenswind des Menschen herabdrückt. Dann hat sich der Mensch so und liegt da, wie wenn er gefühllos wäre, von sich selbst nichts wüsste und die Gewalt über seinen Körper verloren hätte. … Dann aber lässt die Seele des Menschen … sein Mark zunehmen und stärkt es.”

Der mittelalterliche Naturphilosophie zufolge zählt der Schlaf zu den sex res nonnaturale (s. res naturales) und ist von warmer und feuchter Qualität. Eine diätetische Regel ging dahin, nicht unmittelbar nach dem Essen Schlafen zu gehen. Vermögende Leute ließen sich nach der Mahlzeit ein oder zwei Stunden lang von Spielleuten unterhalten, bevor sie zur Ruhe gingen.

Zu viel und zu langer Schlaf wurde – gleich wie zu langes Wachen – als schädlich angesehen, brachte Ersteres doch üble Fieber und Verdunkelung der Augen, das andere Körper- und Geistesschwäche. Kranke suchte man durch Musik oder laute Geräusche wach zu halten, damit sie nicht in den Tod hinüber schliefen. – Bei Schlaflosigkeit wurden Arme, Beine und Füße sanft mit Veilchenöl massiert oder mit warmem Wasser angegossen. Wo dies nichts nützte, nahm man Zuflucht zu “Schlafkräutern” ; operationstauglichen Tiefschlaf erzeugte man mittels des Schlafmittelschwamms (s. Narkotika).

Schlaf und Tod wurden als Brüderpaar empfunden; von einem Gestorbenen sagte man tröstend, er sei “entschlafen” (obdormivit) und schlafe seiner Auferstehung am Jüngsten Tag entgegen (frz. cimetiere, engl. cemetery gehen auf lat. coemeterium zurück, das von grch. koimasthai = schlafen hergeleitet ist). Auf Grabplastiken wurden die Verstorbenen häufig als Schlafende dargestellt.

Abergläubische Vorstellungen ließen die Seele des Schlafenden außerhalb seines Körpers umgehen, dabei auch die Gestalt eines Tieres – etwa eines Wiesels – annehmend. In freier Natur schlafenden Frauen konnte die Gebärmutter in Gestalt einer Kröte aus dem offenen Mund entweichen.

(s. Bett; Dormitorium; Heilschlaf; Möbel; Musik und Medizin; Schlafmittel; Traum)




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