Schwangerschaft

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Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Schwangerschaft (Wortbildung des 17. Jh.; mhd. swanger, ahd. swangar = eigentl. “schwerfällig”; mhd. swangern = schwanger sein; lat. graviditas). Der Zeitabschnitt zwischen Befruchtung und Geburt eines Kindes im Leben einer Frau, in der christl. Ikonographie idealtypisch durch Maria, die Gottesmutter, verkörpert. – Frühzeitige Schwangerschaftsfeststellung war problematisch; auch bei Ausbleiben der Menstruation konnte eine Schwangerschaft frühestens mit den ersten Kindsbewegungen – meist im vierten oder fünften Schwangerschaftsmonat – mit Sicherheit angenommen werden. Konrsd v. Megenberg nennt in seinem Buch von der Natur neben anderen Schwangerschaftszeichen “das Auftreten schädlicher Gelüste” nach Ablauf der ersten beiden Monate. Wenig verlässlich waren Diagnoseverfahren wie das Folgende: “Item will dw wissen, ob ain fraw swanger ist oder nit: So nim iren prun und gews darauf ain wild papeln. Sint si uber 3 tag dur, so ist si nit swanger, sind aber gruen, so ist sie swanger.” Mit ähnlichen Rezepten glaubte man das Geschlecht des Ungeborenen (lat. nasciturus) bestimmen zu können. Aus einer süddeutsch-österreichischen Handschrift des 15, Jh. (zit. nach G. Jaritz bei H. Kühnel): “Will dw wissen ob ain fraw ains knaben sei swanger oder eines dirnlen: So nim gruen esich und leg den an ir gewissen der frawn und auf das haupt. Und red sie dann von ainem man so trat sie von ainem knaben, red sie aber von einer fraw so si ain tochter, red si von in paiden so will das kind lang leben.” (“gewissen der frawn” ist wohl ein Synonym für die weibl. Scham.)- Zur Feststellung einer Schwangerschaft, ebenso wie zur Attestierung der Jungfräulichkeit, wurden Hebammen beigezogen.

Schwangerschaft wurde im Mittelalter als Krankheit gesehen. Schwangere galten als besonders gefährdet und sollten besondere Schonung und Rücksichtnahme geniessen; von dieser Absicht dürften wohl am ehesten oberschichtliche Schwangere profitiert haben. Außereheliche Schwangerschaften, auch solche infolge einer Vergewaltigung, waren Grund zur Diffamierung, führten in Schande und Not.

Kirchlicherseits bestand für Schwangere Befreiung vom Fastengebot, gab es außer dem Segen für die Mutter einen besonderen Segen für das Ungeborene, sollten Schwangere vor der Niederkunft beichten und kommunizieren. Als Schutzpatrone der Schwangeren galten St. Antonius von Padua, St. Rochus, die hl. Dorothea und die hl. Margarete. Nach weltlichem Recht sollten Ächtung, Folter und Hinrichtung bis nach der Geburt aufgeschoben werden.

Für das gesundheitliche Wohlergehen der Schwangeren sorgten weibliche Verwandte, “weise” Frauen und Hebammen. Nach den Vorschriften der Regimina Sanitatis waren bestimmte Speisen zu meiden, galten andere als zuträglich für die Mutter und das Ungeborene. Um das Leben des Fetus nicht zu gefährden, sollten Geschlechtsverkehr, schwere Arbeit und andere körperliche Anstrengung sowie seelische Ausnahmezustände wie übergroße Freude, Angst oder Trauer vermieden werden. Während der Schwangerschaft galten ein oder zwei Aderlässe als angezeigt, um eine glückliche Geburt und ein wohlgeratenes , gesundes Kind sicherzustellen.

Vom mittelalterliche Aberglauben um Schwangere: den Schwangerschaftsgelüsten auf unzeitgemäße und absonderliche Speisen (mhd. gelusten; lat. picae gravidarum) sollte nachgegeben werden, um üble Folgen für das Kind zu vermeiden; die Schwangere darf nicht durch ein Fenster in die verschlossene Wohnung einsteigen, sollte das Kind nicht zum Dieb werden; wohl auf christl. Diffamierung der Sexualität geht die abergläubische Vorstellung von der “Unreinheit” und Gefährlichkeit der Schwangeren zurück; auf Vorstellungen der Volksmedizin beruht die Warnung vor schwerer Arbeit und vor schreckhaftem “Versehen” (an Rothaarigen, an Hasen, Fröschen, Fischen, Mäusen usf.).

(s. Abtreibung, Empfängnisverhütung, Geburt, Gynäkologie und Geburtshilfe, Hebamme, Zeugung)

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