Serviette

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Serviette, Mundtuch (mhd. hant-twel, -twehele, -vane; frnhd. 16. Jh. servetlin, serviete, servete, zu frz. servir = dienen, auftragen; lat. orarium, mantele, mantellum, mappa, mapella). Die Benutzung eines dreieckigen oder quadratischen Leinentuchs (von 50 cm Kantenlänge) diente der Reinhaltung der Speiseliege von Essensresten, sodann zum Abtupfen der Lippen sowie zum Trocknen der Finger nach der Benutzung der Fingerschale; sie war schon im 1. Jh. kultivierten Römern geläufig. Derartige kleine Tücher können als frühe Vorläufer unserer Stoff-Servietten betrachtet werden. Nach einer Zeit des kulturellen Niedergangs, in der die Benutzung der Serviette in Vergessebheit geriet, verfeinerte sich im christl. Abendland die Tischkultur erst wieder ab etwa 1200, wie bildliche Darstellungen von Tafeleien belegen. Die Tafel der gehobenen Gesellschaft waren mit einem die Tischkante weit überhängenden Tischtuch bedeckt, das bis aus die Oberschenkel der Speisenden oder bis zum Boden reichte und auch zum Abwischen des Mundes und der Finger diente – nahm man doch Fleischstücke mit den Fingern auf. Dies machte nötig, dass das Tischtuch bei ausgedehnten Tafeleien öfters gewechselt werden musste. Im Spätmittelalter kam das Mundtuch in Gebrauch, wie aus Schriften über die Anstandsregeln bei Tisch (s. Tischzuchten) hervorgeht. Verfeinerte Tischsitten haben sich – zusammen mit dem Gebrauch der Serviette – von Frankreich her durchgesetzt.

Tischdecken und Servietten gehörten regelmäßig zur Aussteuer der Braut und künftigen Hausfrau.

(s. Essen und Trinken, Taschentuch)

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