Seuse, Heinrich

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Seuse, Heinrich (latinisiert Suso, auch Sus, der Susze, Amandus de Swebia; um 1295 -1366). Heinrich wurde in Konstanz als Abkömmling des Ministerialengeschlechts derer von Berg geboren, kam als 13-jähriger in das dortige Dominikanerkloster, absolvierte seine Grundausbildung an der Ordensschule von Straßburg und ging zum weiterführenden Theologiestudium nach Köln, wo er um 1324 Meister Eckhart kennenlernte. Den Namen “Seuse” legte er sich aus Verehrung seiner “heiligen Mutter” zu. Nach Eckharts Tod und der offiziellen Verurteilung von 25 seiner Lehrätze verfasste Seuse als einziger seiner Schüler eine Verteidigungsschrift (“Büchlein der Wahrheit”). Als Lektor in Konstanz schrieb er das “Büchlein der ewigen Weisheit”, eine Abhandlung zu asketisch gelebter Christusnachfolge und gegen die “falsche friheit” der Begharden. Wegen seines Eintretens für Eckhart wurde Seuse vor ein Provinzialkapitel geladen, verurteilt und von seinem Posten als Lektor suspendiert. Damit war seine wissenschaftliche Laufbahn beendet; er wirkte weiter als Prediger und Seelsorger unter Laien und in Nonnenklöstern Süddeutschlands, der Schweiz und im Elsaß; 1348 wurde er – wohl aufgrund von Verleumdungen – nach Ulm versetzt, wo er bis an sein Lebensende blieb.

Seuse war von der Mystik seines Lehrers Eckhart inspiriert, ohne jedoch dessen pantheistischen Gedanken anzuhängen, führte ein asketisches Leben und hatte viele Visionen. Sein “Büchlein der ewigen Weisheit” und dessen erweiterte lat. Fassung (“Horologium Sapientiae”) zählten zu den meistgelesenen Schriften des Mittelalter Es ist in der Form eines Zwiegesprächs (zwischen der Weisheit und dem gottsuchenden Menschen über das Leiden Christi) abgefasst und in bilderreicher Sprache geschrieben. Unter Mitwirkung seiner geistigen Tochter, der Dominikanerin Elsbeth Stagel, verfasste Seuse seine Autobiographie (“Vita”; im Stil eines Erbauungsbuches), die als das älteste mittelalterliche Gattungsbeispiel in dt. Sprache gilt. Als Krönung seiner literar. Arbeit wird die Werkesammlung “Exemplar” angesehen, in deren Aufbau sich die mystagogische Dreiteilung in anfangenden, zunehmenden und vollkommenen Menschen spiegelt.

(s. Gottesfreund; Mystik; Tauler, Johannes)

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