Skrofulose




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Skrofulose (Skrofuloderm, besondere Form der Hauttuberkulose; bis haselnussgroße, bräunliche, zentral erweichende Knoten; v. lat. scrofa = Muttersau, Schwein, weil Schweine häufig von Drüsenkrankheiten befallen waren.) Welches Krankheitssymptom unter dieser Bezeichnung im Mittelalter verstanden wurde, ist nicht bekannt. Es könnten verschiedene allergische oder chronisch-infektiöse Ursachen zugrundegelegen haben. Überwiegend neigt man zu der Ansicht, dass es sich um eine Manifestation der Tuberkulose in den Halsdrüsen (Lymphadenitis scrofulosa) gehandelt hat. Die Skrofulose war häufig mit Rhinitis und Keratokonjunktivitis vergesellschaftet und hinterließ im Heilungsfalle Narben und Gesichtsentsellungen (Facies scrofulosa).

Hildegard von Bingen unterscheidet, je nachdem die Drüsen noch nicht oder schon aufgebrochen sind, “orfimae nondum ruptae” und “orfimae diruptae” (“effluentes glandes, quae scrofulae dicuntur”). Zur Behandlung der ersteren empfiehlt sie das Auflegen von in der Sonne angewärmtem Bergkristall (“… und binde ihn neun Tage oder neun Nächte … über die orfimae”) oder eine Behandlung mit Eselsmilch, die letzteren lässt sie mit Pulver von verbranntem Maulwurfsfleisch behandeln. Hilfreich sei auch ein Kataplasma von Ameiseneiern und Hühnerkot auf grünen Eichenblättern oder das Auflegen von honigbestrichenen Huflattichblättern. Für die innerliche Anwendung rät sie zu einer Brühe mit der pulverisierten Leber eines Hamsters.

Der ® Macer Floridus, ein mittelalterliche Standardwerk der Kräuterheilkunde, handelt an verschiedenen Stellen von “bösen Halsdrüsen” und empfiehlt die äußerliche Anwendung von Wegerich (Plantago; als Umschlag der gestampften Blättern oder – prophylaktisch – als Amulett von um den Hals gehängten Wurzeln), ferner von Koriandersaft, von zerstoßenen Senfkörnern und von Sauerampferwurzel-Sud. Zur innerlichen Anwendung verordnet er Eibisch (Althea; “Die Blüte, in Met gekocht oder gestampft und mit Wein aufgegossen … soll böse Halsdrüsen vertreiben …”) und gestampfte Pfefferkörner.

Seit dem 11. Jh. (unter dem engl. König Edward der Bekenner) und bis in die Frühe Neuzeit (letzter Königssegen unter Queen Anne, gest. 1714) war man in Frankreich und England des Glaubens, dass der rechtmäßig gesalbte König “Skrofeln” durch Handauflegen heilen könne, und so reisten Kranke in großer Zahl – und sei es von weit her – zum Krönungsort, um an einem eigens für diesen Anlass inszenierten Heilungsritual teilzunehmen.

(s. Tuberkulose)




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