Sprachen des europäischen Mittelalters




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Sprachen des europäischen Mittelalters. Im riesigen Reich Karls d. Gr. wurden viele, teils stark unterschiedliche Idiome gesprochen, die sich im wesentlichen zwei Sprachfamilien zuordnen lassen: der lateinischen und der germanischen. Aus der ersteren, der lingua romana rustica, gingen die romanischen Sprachen Europas hervor (s.u.). Für den Sprachraum des Fränkischen, Bairischen, Sächsischen und Alemannischen bildete, von Karl d. Gr. gefödert, die lingua theodisca einen sprachlichen Überbau. Dieser erste Anlauf zur Bildung einer allgemeinen Hochsprache ging jedoch zusammen mit der Karolingerherrschaft zu Ende. In der Folgezeit wurde die dt. Sprache, je nach Schwerpunkt der Herrschergewalt, sächsisch, alemannisch oder österreichisch-bairisch geprägt.

Da uns Tonkonserven aus der Zeit fehlen, sind wir auf Zeugnisse der geschriebenen Sprache (Handschriften, Inschriften) angewiesen. Diese zeigen von Anfang des 8. Jh. bis Mitte des 11. Jh. einen recht stabilen Charakter, und werden als Althochdeutsch bzw. Altniederdeutsch bezeichnet. Die ursprüngliche Aussprache wird rekonstruiert aus Vergleichen mit der Aussprache von Gegenwartssprachen, von Dialekten und von verwandten Sprachen. Auch aus Reimungen lassen sich Schlüsse auf die Aussprache ziehen. Quellen sind: in lat. Handschriften eingetragene dt. Wortübersetzungen, Übersetzungen lat. religiöser Texte, Stabreim- und Endreimdichtung religiösen, heroischen oder politischen Inhalts.

Die darauffolgende Sprachperiode (von der Mitte des 11. Jh. bis zur Mitte des 14. Jh.) wird als Mittelhochdeutsch bzw. (bis etwa 1600) als Mittelniederdeutsch bezeichnet und bleibt an handschriftliche Aufzeichnungen auf Pergament gebunden. Charakteristisch für die mhd. Schriftsprache ist, dass sie sich regionalen Eigentümlichkeiten hinsichtlich Phonetik und Orthographie flexibel anpasste. Die meisten Varianten der mhd. Schreibsprache haben sich jedoch dem “klassischen” Mhd. stärker angenähert als den jeweiligen örtlichen Dialekten. Quellen sind: religiöse, wissenschaftliche und höfische Traktate in lyrischer und epischer Form, Urkunden, Predigtsammlungen und Chroniken.

Das Mhd. (seit etwa 1600 auch das Mndd.) werden vom Frühneuhochdeutschen abglöst und zwar umso durchgreifender, als durch das Aufkommen von Papierherstellungs- und Buchdrucktechnik in der zweiten Hälfte des 15. Jh. sich Auflagenstärke und Leserschaft stark vermehrten. Zudem bewirkte die Urkundensprache kaiserlicher und fürstlicher Kanzleien (s. Kanzleisprachen) zunehmende Konvergenz der Schriftsprachen. Quellen für das Fnhd. sind: religiöse und weltliche Texte in lyrischer, epischer und dramatischer Form, Urkunden, Rechtsbücher, Predigtsammlungen, Bibelübersetzungen, Fachliteratur, Briefe.

Seit Karl d. Gr. war das sogenannte Mittellatein die abendländische Kleriker-, Verwaltungs- und Wissenschaftssprache. Er hatte zur besseren Führung seines vielsprachigen Reiches nach einer einheitlichen Zweitsprache gesucht und und sie in dem Latein gefunden, wie es sich in irischen Klöstern erhalten hatte und welches dem spätantiken Latein am nächsten stand. Da sich Karl auf den Klerus als alleinigen Kulturträger stützte, war er vorrangig an der Bildung der Kleriker – besonders an deren Ausbildung in der Lese- und Schreibkunst – interessiert. Außer für Religion und Verwaltung waren Sprache und Schrift wirksame Mittel für die Propaganda: Macht und Majestät des Herrschers wurden durch Verbreitung von heldischer Biographien und durch Verherrlichung seiner Taten im Sinne eines Personenkults gemehrt. Auch die Pflege diplomatischer Beziehungen zu fremden Herrschern geschah weitgehend auf schriftlichem Wege und in lat. Sprache. (Mit dem Humanismus entwickelte im 15./16. Jh. das Neulatein, mit dem eine Rückkehr zum Latein der klassischen Antike angestrebt wurde.)

Bei alledem blieb sich Karl der Notwendigkeit bewusst, amtliche wie kirchliche Verlautbarungen durch Übersetzungen in die jeweilige Volkssprache allgemein verständlich zu machen. Im Jahre 802 ließ Karl die Reichsgesetze in die verschiedenen Volkssprachen übertragen. 813 erließ er ein Kapitulare, das die Bischöfe verpflichtete, in den Volkssprachen zu predigen.

In den von römischer Kultur geprägten Ländern Europas ging aus dem klassischen Latein ein verstümmeltes, mit fremden Redewendungen und anderen Betonungen durchsetztes Vulgärlatein (“quod vulgo dicitur”) hervor, aus welchem die gallo-romanische (das französische langue d’oil und das okzitanische langue d’oc), die iberische (spanische, portugiesische), die italienische und die rumänische Sprache entstanden. Die Sprachen Lateineuropas wurden im deutschen Sprachraum als walhisch oder welsch bezeichnet (erhalten in Kauderwelsch, Rotwelsch oder Walnuss).

Altsächsisch, Deutsch (s. Althochdeutsch, Altniederdeutsch, Mittelhochdeutsch, Mittelniederdeutsch, Frühneuhochdeutsch), Englisch, Fränkisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Italienisch, Jiddisch, Jüdische Sprache, keltische Sprachen, Latein (s.Mittellatein, Neulatein, Vulgärlatein), Okzitanisch, Provençalisch, Rotwelsch, skandinavische Sprachen, slawische Sprachen, Spanisch;

chemische Symbolsprache, Dialekte, Dolmetsch, Kanzleisprachen, Lautverschiebung, Lehnwörter des Mhd., Lese- und Schreibkunst, Übersetzer, Übersetzerschule von Toledo, Übersetzungen, Verständigung, Volkssprachen




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