Stadttore

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Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Stadttore. Wesentliche Bedeutung für die mittelalterliche Stadtbefestigung, für die Kontrolle des Personen- und Warenverkehrs sowie die Zollerhebung hatten die Stadttore. Sie waren angelegt als einfaches Durchlasstor (Mauertor), als Durchlass im Torturm (Turmtor) oder als Doppelturmtor mit beidseitigen Flankentürmen und geschützt durch Sonderbauten (Zugbrücke, Zwinger, Fallgatter, Wehrgängen usf.). Sie waren vor allen an den Fernstraßen der Stadt gelegen und häufig nach der Himmelsrichtung oder nach der Stadt, auf die sie zielten, benannt (Westentor, Ostentor, Kölner Tor, Wiener Tor usf.). Viele Stadttore waren auch nach einer nahegelegen Kirche (Martins-, Nikolaitor), nach einem außerhalb des Mauerrings gelegenen Spital (Spitaltor) oder nach einer baulichen Gegebenheit (Brückentor, Wassertor, Rotes Tor) benannt. Eintorige Stadtanlagen waren äußerst selten; sie entstanden nur in topographischen Ausnahmesituationen, etwa auf Halbinseln (Wasserburg a. Inn, Bern). An Durchgangsstraßen wuchsen Zweitorstädte (z.B. Itzehoe, Boppard, Deutz, Günzburg); sie blieben zumeist Kleinstädte. An den Kreuzungen überregionaler Straßen entstanden meist Viertorstädte; ähnlich den alten Römerstädten wie Köln, Straßburg, Regensburg oder Wien waren auch neugegründete Städte wie Wiener Neustadt oder Brandenburg-Neustadt als Viertorstädte angelegt. Bei manchen Viertorstädten waren allerdings die Tore nicht regelmäßig nach vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. So hat Leipzig nach Norden zwei Tore, während ein Westtor fehlt). Seltener waren Stadtanlagen mit drei oder fünf Toren. Bestanden mehr als fünf Tore, so war dies i.a. auf das Zusammenwachsen mehrer Siedlungen zurückzuführen (Würzburg zählte nach der Einverleibung der Vorstädte sechs Haupttore und fünf Nebentore).

Im Spätmittelalter wurden Tortürme zu Repräsentativbauten mit schmückendem architektonischen Beiwerk (Maßwerkgliederung, Eckerker und -türmchen, Zelt- oder Kegeldächern). Herausragende Beispiele ihrer Art sind die Stadttore von Neubrandenburg und Templin, von Lübeck und Stendal, Rothenburg und Nördlingen.

Mit der wirkungsvoller werdenden Feldartillerie ging man von der Vertikal- zur Horizontalverteidigung über, was den Bau von Doppeltoranlagen, Zwingern und Barbakanen zur Folge hatte.

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