Turm




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Turm (mhd. turm, turn; v. lat turris). Bei Turmbauten übertrifft die Höhe bei weitem den Durchmesser. Sie wurden errichtet zu Wehr- und Wohnzwecken, als Wacht- und Signaltürme, als imposantes, den Tortürmen des Himmlischen Jerusalem entsprechendes Bauglied bei Kirchen, als Glocken- und Uhrträger sowie zur Demonstration bürgerlichen Stolzes und städtischer Eigenständigkeit.

Baumaterial war im Frühmittelalter vielfach noch Holz, jüngere Türme wurden in Bruchstein-, Haustein- oder Backsteinmauerwerk errichtet. Der Grundriss konnte viereckig, rund oder polygonal sein. Den oberen Abschluss bildete eine bedachte oder unbedachte Aussichtsplattform oder ein Helm, welcher dem zeitgenössischen Baustil entsprechend ausgeformt war. Gegen Ende des Mittelalter kamen spezielle Treppentürme auf, die als Aufgang zu den oberen Stockwerken dem Bau angegliedert waren.

Als Gegenstand von Dichtung und bildender Kunst kommen dem Turm vielfältige symbolische Konnotationen zu: er steht für Hochmut (Turm von Babel), für Machtanspruch und Unterdrückung (Turmverließ), für Wachsamkeit (Bergfried), für den Hort der begehrten Frau (Elfenbeinturm) und das tabuisierte Zentrum herrscherlicher Gewalt (Festungsturm). Er ist “Wehrbau, Wohnstatt und Freudenort in einem” (G. Duby). Im Lancelet erscheint der Turm als Gefängnisort (“In einen turn er ihn warf, da er sunnen noch den manen sah”), im Lohengrin als Hort des Schatzes (“Der keiser sprach: ich sag iu wol, ob ir hetent rotes goldes turne vol”).

Als ältester Kirchturm gilt der freistehende Glockenturm (Campanile) der Kirche San´Appollinare in Classe in Ravenna aus dem 6. Jh.

(s. Belfried, Bergfried, Brunnenturm, Butterfassturm, Chortürme, Dachreiter, Donjon, Eselsturm, Geschlechtertürme, Kirchtürme, Leuchttürme, Ratsturm (s. Rathaus), Schalenturm, Signalturm (s. Signalfeuer), Stadttürme, Treppentürme, Wachttürme, Wandelturm (s. Ebenhoch, Wassertürme (s. Wasserleitungen), Wohntürme)




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