Turmuhren




Turmuhren (grosse horloge). An mittelalterliche Kirchtürmen fanden sich gelegentlich Sonnenuhren, von 1300 an sind Räderuhren in Glockentürmen belegt (“Türmeruhren”), die zunächst noch keine äußerlich sichtbaren Zifferblätter hatten; vielmehr dienten sie dazu, dem Türmer die Zeitabstände anzeigen, in denen die Turmglocke (urschelle, zitglocke) von Hand angeschlagen werden musste. In den Jahren nach 1290 gab es – zunächst in England (Exeter), später in Italien, Frankreich und Deutschland – Turmuhren mit weithin sichtbarem Zifferblatt am Außenbau. 1354 war in Straßburg die erste Münsteruhr mit Glockenspiel und bewegten Figuren in Betrieb, um 1360 staunten die Nürnberger über das “Männleinlaufen” an der Frauenkirche, 1365 ist für Augsburg, 1368 für Breslau eine Turmuhr belegt. Vom 15. Jh. an gab es Turmuhren mit Zifferblättern an mehreren Seiten des Turms, was eine komplizierte Mechanik notwendig machte. Die spätmittelalterliche Turmuhren hatten zwei Gewichtswalzen, eine für das Gehwerk und eine für das Schlagwerk. Die Zifferblätter waren auf glatten Mauerflächen oft nur aufgemalt; später wurden Ziffern und Zeiger aus vergoldetem Kupferblech gearbeitet und trugen zum Schmuck des Turmes bei. Bis ins 16. Jh. kannte man nur den Stundenzeiger, der um die “große Uhr”, das “vollständige” Zifferblatt mit 24 Stunden lief.

Zu einer Zeit, als es noch keine oder nur wenige Kleinuhren gab, war die Uhr an Kirch- oder Rathaustürmen von großer Bedeutung für das vielschichtige Getriebe der Städte. Sie läuteten den Arbeitstag ein und gliederten ihn über die Mittagsruhe bis zur Vesper, bestimmten Öffnung und Schließung der Stadttore, setzten die Marktzeiten und markierten den Beginn von Rats- und Gerichtssitzungen.

Von 1400 an kamen Prunkuhren mit beweglichen Figuren, astronomischen Zeigerwerken für Mond- und Planetenphasen und Musikspielwerken auf. So an der Fassade de Palazzo del Capitano in Padua (1344, von Jacopo Dondi installiert), an einem Turm am Domplatz in Orvieto (1351), am Straßburger Münster (1354), am Rathaus von Hildesheim (1404), an der Lübecker Marienkirche (1405), am Rathaus von Olmütz (1419), in der Marienkirche von Danzig (1464/70) oder am Prager Rathaus (1490).

(s. Astrolabiumsuhr, Jacopo de Dondi, Uhr, Räderuhr)




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