Typologie




Typologie (aus grch. typos = Gepräge, Schlag und logos = Wort, Sinn. Auch “Figuraldeutung”, gemäß der lat. Übersetzung von typos mit figura in der Vulgata). Hermeneutische, auf Paulus zurückgehende Methode der Theologen zur Deutung der Bezüge zwischen historischen (bzw. als historisch gedachten) Personen, Institutionen und Ereignissen verschiedener Zeitebenen. Grundlagend ist dabei eine Zeitenvorstellung mit dem Leben Christi als Mitte: Zeiten vor Christus, Zeiten in Christus, Zeiten nach Christus. Der Typus liegt stets vor Christus, der Antitypus in oder nach Christus.

Von besonderer Bedeutung war die Typologie in der Bibelexegese, wobei das AT als Voraussetzung für die heilsgeschichtliche Vollendung im NT angesehen wurde (Augustinus: “Was ist das Alte Testament anderes als die Verhüllung des Neuen und das Neue Testament anderes als die Erfüllung des Alten”). Die frühere Erscheinung des “Typus” findet in der späteren Erscheinung des “Antitypus” ihre Erfüllung. Typologische Entsprechungen sind z.B. Alter Bund (Synagoge) – Neuer Bund (Ecclesia), Propheten – Apostel, Adam – Christus, Eva (causa mortis)- Maria (causa salutis), die Israeliten in der Wüste – die Christenheit, die eherne Schlange – das Kreuz, die drei Tage des Jonas im Bauch des Walfisches – die drei Tage Jesu im Grab, der Zug durchs Rote Meer – die Taufe im Jordan, der gottverleugnende Tor (Insipiens) – der Gottesfürchtige christliche Herrscher (sapiens).

Ihre höchste Blüte erlebte die Typologie in der ® Scholastik, als sie grundlegend für die Bibelexegese beispielsweise des Honorius Augustodunensis, Thomas von Aquin, Bonaventura und Joachim von Fiore war.

In der bildenden Kunst setzt die Gegenüberstellung von atl. Typus und ntl. Antitypus erst im 12. Jh. ein, wohl von den Theorien der frz. Scholastiker angeregt. Um 1200 erschien in England der “Pictor in Carmine”, eine unbebilderte Anleitung zur Gestaltung typologischer Bildprogramme. Aus dem 13. Jh. stammt eine “Biblia pauperum”, in welcher das Leben Jesu im Sinne der Typologie geschildert und entsprechend illuminiert ist. Etwa 1324 entstand der bebilderte Heilsspiegel (“Speculum humanae salvationis”), in welchem zu den Typen des AT profangeschichtliche und mystisch-naturgeschichtliche Typen treten. Um 1351 erschien die “Concordantia caritatis” (s. Expositio Evangeliorum), eine kalendarisch geordnete Typologie, in deren erstem Teil (de tempore) die Evangelien, im zweiten Teil (de sanctis) die Heiligenfeste behandelt sind. Diese Handschriften waren wichtige Grundlagen für die Gestaltung von Bildfenstern, Wand- und Deckenmalereien u.a.




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