Waltharius

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Waltharius (“Vita Waltharii manufortis”, Walthari-Lied. Waltharius war ein seit dem 8. Jh. im langobardischen und deutschen Sprachraum weit verbreiteter Eigenname).

Das Walthari-Lied ist wahrscheinlich ein von dem St. Gallener Mönch Ekkehart I. um 930 verfasstes mlat. Versepos, das auf Motive und Figuren des Nibelungenliedes zurückgreift. Der aquitanische Königssohn Walther wächst zusammen mit dem burgundischen Königskind Hiltgunt und mit Hagen von Tronje am Hofe Attilas in Pannonien als Geisel auf. Er flüchtet zusammen mit Hagen und Hiltrut und unter Mitführung des Hunnengoldes und des zaubermächtigen Schwertes Mimming, und hat auf seinem Weg in die Heimat blutige Abenteuer um den mitgeführten Hunnenschatz und um seine Braut zu bestehen, die aufgrund einer im Kindesalter vollzogenen Verlobung mit Gunther von diesem eingefordert wird. Es kommt zu einem großen Dreikampf zwischen Walther, Gunther und Hagen. Walther siegt und gelangt zusammen mit Hiltrut und dem Hunnenschatz schwer verwundet nach Hause, wo er selber König wird. – Die alten Ideale von Ehre, Treue und Heldenmut sind noch vorhanden, jedoch ins Derbe und Komische gewandt und mit christl. Motiven unterlegt. Der Held ist nicht nur hochgemut und mannhaft, sondern auch gottesfürchtig und einsichtig.

Der Waltharius ist von besonderer literaturhistorischer Bedeutung, als er die wohl erste germanische Heldensage in lateinischem Gewand darstellt. Frühere Heldenepen zu Geschehnissen aus der Zeit der Völkerwanderungen waren in der Volkssprache abgefasst, so etwa Edda oder Beowulf. Im 13. Jh. wurde der Walthari-Stoff auch in mhd. Bearbeitung verbreitet.

Darüber, ob der Autor des Waltharius ein älteres Waltharilied in Stabreimen als Vorlage benutzt oder ob er es gänzlich selbst erfunden habe, gehen die Meinungen auseinender; ebenso über die benutzten Quellen (Bibel, lat. Literatur des Altertums, Venantius Fortunatus, Isidor von Sevilla). Das Epos ist zum Vortrag vor den Angehörigen einer klösterlichen Gemeinschaft (“fratres”) bestimmt.

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