Zahnheilkunde

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Zahnheilkunde. Aufbauend auf den medizin. Schriften islamischer Gelehrter (Rhazes, Abulcasis) befasste man sich an der Medizinschule von Salerno von der Mitte des 11. Jh. an auch mit Krankheiten der Zähne und des Mundes. Constantinus Africanus empfiehlt als erster in der westl. Medizin die Schmerzbehandlung mit Arsen. Extraktionen werden erst nach Versagen konservativer Behandlungsmethoden (Einreibungen, Räucherungen) vorgenommen. In dem “Regimen sanitatis Salernitanum” (um 1239, einem Johannes de Mediolanum zugeschrieben) finden sich neben Regeln der prakt. Medizin und der Diätetik auch einige Ratschläge zu Zahn- und Mundpflege. Der Franzose Guy de Chauliac veröffentlicht 1363 seine siebenbändige “Chirurgia magna”, in der sich detaillierte Angaben zu Heilbehandlung von Zahn- und Mundkrankheiten, Betäubungsmitteln und zahnärztlichen Instrumenten finden. Er verwendet als erster die Begriffe dentarius, dentistis, dentarius medicus. Die Zahnheilkunst will er nicht den Barbieren und Zahnbrechern überlassen wissen: “Die Praktik der Zahnheilkunde ist ein Fachgebiet. Das Zahnziehen ist so gefährlich, dass es nur vom Chirurgen praktiziert werden sollte.” In der alltäglichen Praxis jedoch wurden – zumal nach der Trennung der handweklichen Chirurgie von der Inneren Medizin im 13. Jh. – Zahnleiden (mhd. zantsiechtuom, zantsmerze) fast ausschließlich von Angehörigen der niederen Heilberufe angegangen (s. Zahnkrankheiten, Zahnkünstler).

Der italienische Arzt Giovanni d´Arcoli, Inhaber eines Lehrstuhls für Medizin in Padua, empfahl als Erster eine konservative Art der Zahnbehandlung mittels Goldfolie, das Aufbohren eines Zahns, um eine Goldfüllung einzubringen oder um die Hitze des Brenneisens nahe an den Krankheitsherd zu bringen.

Entsprechend der Vier-Säfte-Lehre des Hippokrates, derzufolge körperliche Leiden Ausdruck eines Ungleichgewichts der Körpersäfte waren, gingen mittelalterliche Ärzte Zahnleiden auch mit Brech- und Abführmitteln sowie mit Aderlass an.

Arabische Ärzte entdeckten den Zahnnerv als Ursache für Zahnschmerzen und behandelten als erste die entzündete Zahnpulpa mit dem Brenneisen.

In der Volksmedizin bediente man sich zur Behandlung von Zahnleiden einer großen Anzahl meist abergläubischer Heilmittel, Riten und Segenssprüchen. Als wirksam galten u.a. heiße Fußbäder mit Salz und Asche, das Reiben des schmerzenden Zahnes mit dem Zahn eines Toten, das Verpflocken von Blut aus dem schmerzenden Zahnfleisch an einem jungen Erlen- oder Weidenbaum, Zahnsegen – gesprochen oder auf einen Zettel geschrieben und als Amulett getragen. Als Schutzheilige bei Zahnleiden galt die Hl. Apollonia, die bei ihrem Martyrium die Folter des Zahnausbrechens mit glühenden Zangen erlitten hatte.

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