Zisterzienserkirchen




Zisterzienserkirchen. Der asketischen Haltung des Ordens entsprechend, gestalten (seit dem Generalkapitel von 1134) die Zisterziensermönche ihre Klosterkirchen betont einfach und mit nur sparsamer – “reduzierter” – Ausschmückung (“Wir verbieten, dass in unseren Kirchen …. Bilder oder Skulpturen sind …” Ausgenommen von diesem Verbot waren Darstellungen Christi.) Sie sollten “oratoria”, einfache Bethäuser sein. Statt der Kirchtürme war nur ein Dachreiter zugelassen, der – meist über der Vierung gelegen – die Glocke aufnahm (“Steinerne Glockentürme sollen nicht gebaut werden”). Die bisher baulich und figural reich gegliederte und ausgestattete Apsis wurde durch eine schmucklose über rechteckigem Grundriss ersetzt. Ein Lettner trennte Mönchs- und Konversenchor, die jeweils einen eigenen Zugang hatten. Der Westbau wurde aufgegeben, stattdessen findet sich allenfalls eine einfache Vorhalle. Auf bildhaften Fenster- und Wandschmuck sowie “heidnische” Ornamentik wurde verzichtet (“Die Glasfenster sollen weiß und ohne Kreuze und Bilder sein”). Große Bedeutung wurde symbolischen Bezügen der Maßzahlen und Proportionen des Kirchenbaus beigemessen. Als im Laufe der Zeit auch der Zistertienserorden wohlhabend wurde, ließ die Strenge der Bauregeln nach. Es erschienen (etwa ab dem Beginn des 14. Jh.) wieder ein terrassenförmig ansteigender Chor, hohe Türme und der kapellenbekränzte Chorumgang. Stilistisch prägend waren die Zisterzienser durch die Verbreitung gotischer Bauformen.

Jede Zisterzienserkirche ist Maria geweiht und hat gleichzeitig einen zweiten Weiheheiligen (z.B. Heilsbronn: St. Marien und Jakobus).

Als Beispiele deutscher Zisterzienser-Klosterkirchen seien genannt: Heilsbronn (gegr. 1132), Lehnin (1180 – 1272), Amelunxborn (1158 vollendet), Maulbronn (1178 geweiht), Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis, 1186 geweiht), Riddagshausen (bei Braunschweig, begonnen um 1230), Ebrach (zwischen Würzburg und Bamberg; ab 1127 romanisch, 1200 – 82 frühgotisch), Haina (20 km südwestl. v. Bad Wildungen), Doberan (ca. 15 km westl. v. Rostock; 1294 – 1368; einer der großartigsten Bauten deutscher Zisterzienser-Gotik), Amalunxborn (ca. 15km nordöstl. v. Holzminden; seit 1135 romanisch, ab etwa 1350 gotisch), Chorin (Uckermark; nach 1273 – vor 1319), Pelplin (Westpreußen, heute Polen; 1274 – 1320) und Pforta (5 km westl. v. Naumburg; ab 1137).

Als von der “reinen Lehre” des zisterziensischen Kirchenbaus abweichendes Beispiel sei die Klosterkirche von Altenberg (Rheinland, bei Köln) genannt, die während der Jahre 1255 bis 1379 im Stil der französischen Kathedralgotik erbaut wurde. Zwar weist auch sie anstelle eines Turmes nur einen schlichten Dachreiter auf, jedoch gehen das 18m hohe und 8m breite Maßwerk-Westfenster und dessen Glasmalerei sowie der siebenseitige Chorumgang mit Kapellenkranz über das zisterziensische Bescheidenheitsgebot hinaus. (Die Kirche, auch “Bergischer Dom” genannt, wurde nach einem Schadenfeuer 1836 durch den späteren König Friedrich Wilhelm IV. originalgetreu wiederaufgebaut.)

Der Baugesinnung der Zisterzienser schlossen sich im 13./14. Jh. auch die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner an: auch sie verzichteten auf den Querbau, auf Türme (von Dachreitern abgesehen) und auf Triforien, reduzierten das Strebewerk und die Größe der Fenster. Sie hielten es für sündhaft, im Kirchen- und Klosterbau kostenträchtige Prachtentfaltung zu betreiben, während viele Leute in Armut und Elend leben mussten.




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