Ritterliche Dichtung im Mittelalter




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Ein rechter Ritter brauchte zwar nicht lesen und schreiben zu können, wohl aber sollte er dichten und musizieren lernen. Bisher hatten die Geistlichen die Führung in der Dichtung; lateinisch war die Sprache, fromm und kirchlich war meistens der Inhalt. Jetzt wird das ganz anders. Der Ritter und seine Welt beherrschen nunmehr die Dichtung, die Muttersprache übernimmt wieder die Führung und verdrängt das Lateinische immer mehr. Freilich war es nicht mehr die klangreiche althochdeutsche Sprache, in der noch der Heliand geschrieben ist, sondern das stark vereinfachte Mittelhochdeutsch, das aber immer noch viel reichen und voller klingt als unsere neuhochdeutsche Schriftsprache.

Es ist die erste Blütezeit, der deutschen Dichtung überhaupt, die sich nun entfaltet. Und Bayern und Österreich, wo damals die freigebigen Babenbergen in Wien fröhlichen Hof hielten, waren der Mittelpunkt der ritterlichen Dichtung in Deutschland. Auch am Hofe der Landgrafen von Thüringen auf der Wartburg waren die ritterlichen Sänger gerngesehene Gäste (Sage vom Sängerkrieg auf der Wartburg).

Das Volksepos

Die Helden der Völkerwanderungszeit wie Dietrich von Bern, Siegfried und Hagen waren von den Missionaren und Geistlichen als „Ungeheuer“ bezeichnet und aus der Dichtung verbannt worden. Aber im Volke hatte man ihrer nicht vergessen, die Spielleute hatten immer wieder von ihnen gesungen. Und nun lebten diese alten Recken als christliche Ritter wieder auf, Unsere beiden großen Volksepen (Epos = Erzählung), das Nibelungenlied und das Gudrunlied wurden in Bayern um 1200 neu gedichtet und aufgezeichnet.

Das höfische Epos

Von Frankreich war das Rittertum nach Deutschland gekommen. Deshalb machte sich auch starker französischer Einfluss auf die deutsche Dichtung geltend. Deutsche Ritter übernahmen französische Erzählungen und dichteten sie in ihrer Sprache nach. Diese Dichtungen nennt man höfische Epen wie sie ab den Fürstenhöfen vor allem beliebt waren. So stammt von dem Dichter Gottfried von Straßburg das Epos „Tristan und Isolde“, der Schwabe Hartmann von Aue dichtete den „Armen Heinrich“ und der Bayer Wolfram von Eschenbach, der größte Dichter des Mittelalters, erzählt in seinem „Parzival“, wie ein junger Held nach langem Kämpfen und Irren Gralskönig wird.




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