Verträge von Verdun und Mersen




Im Jahre 843 wurde der Teilungsvertrag in Verdun geschlossen. Es entstanden drei Teilreiche, in denen die Söhne Ludwigs selbständig regierten. Westfranken, das spätere Frankreich, erhielt Karl der Kahle; Ostfranken blieb bei Ludwig dem Deutschen; zwischen diesen beiden erstreckte sich von der Nordsee bis nach Italien das Mittelreich, in welchem Lothar I. regierte. Das Westreich war im
wesentlichen das Frankreich des Mittelalters. Der ostfränkische Teil, für den später der Name Deutschland auf kam wurde in den folgenden Jahrzehnten noch vergrößert. Als nämlich 855 das Mittelreich unter die Söhne Lothars I. verteilt Wurde, entstanden drei neue, viel kleinere Gebiete: Lothringen, Burgund und Italien. Der ostfränkische König verstand es, sich durch die Verträge zu Mersen (870) und Ribemont (880) Lothringen zu sichern.

Das Reich Karls des Großen hatte aufgehört zu bestehen. Zwar kam es infolge gemeinsamer Anerkennung
des Karolingers Karls des Dicken als Kaiser noch einmal zur Vereinigung des ganzen Reiches. Diese Vereinigung war aber nur von kurzer Dauer. Im Jahre 887 wurde er abgesetzt und im Ostfrankenreich durch seinen Neffen Arnulf von Kärnten, im Westreich durch einen nichtkarolingischen Nachfolger, den Grafen Odo von Paris, ersetzt.

Wenn man die Verhältnisse des Frankenreiches im 9. Jahrhundert betrachtet, so treten als Hauptmerkmale hervor: Schwäche der Zentralgewalt, die wachsende Stärke und Unabhängigkeit der Feudalherren, dauernde Kriege im Innern und Angriffe von außen, zunehmende Unterdrückung der breiten Masse der Bauern. Im Ostfrankenreich wurde das noch nicht so wirksam. Hier war ein großer Teil
der Bauern noch frei, und der König verfügte noch über größere Macht.

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