Universität im Mittelalter

Die Kreuzzüge, das Anwachsen der Städte und die Handelsreisen hatten den geistigen Horizont der Europäer erheblich erweitert. Im 12. und 13. Jahrhundert wuchs das Bedürfnis nach Bildung. In mehreren Städten Europas entstanden Universitäten. Die bedeutendsten unter ihnen befanden sich in Bologna und in Paris.

In der Universität Bologna wurde hauptsächlich das römische Recht studiert. Die Gesetze des frühen Mittelalters hatten sich bei der Entwicklung des Waren- und Geldverkehrs als unzureichend erwiesen. Darum wandte man sich dem Studium des Codex Justinianus zu, der viele Gesetze enthielt, die den Handel und das Kreditwesen betrafen. Diese Gesetze brauchten die Kaufleute und Bankiers bei ihren Handels- und Geldangelegenheiten. Auch die Feudalherren versuchten, sich die römischen Gesetze zunutze zu machen, um ihre Herrschaft über die hörigen Bauern zu festigen, indem sie diese den römischen Sklaven gleichsetzen.

Die Herrscher wollten ebenfalls ihre Macht mit Hilfe der römischen Gesetze festigen; sie beriefen sich auf die unbeschränkte Gewalt der römischen Kaiser. Daher genoss die Universität von Bologna die besondere Gunst der Kaiser und Könige. Fachgelehrte des römischen Rechts, die diese _Universität besucht hatten, wurden von den Herrschern als Ratgeber herangezogen.

An der Pariser Universität studierte man vor allem die „Gottweisheit“, die Theologie. Die Kirche stelle die Theologie über alle anderen Wissenschaften. Nach Ansicht der damaligen Gelehrten war jede Wissenschaft nur eine „Dienerin der Theologie“. Der berühmteste Gelehrte des Mittelalters war Thoma von Aquin, der im 13. Jahrhundert an der Pariser Universität lehrte.

In ganz Europa wurden Universitäten gegründet, im 13. Jahrhundert  in England (Oxford und Cambridge), in Spanien (Salamanca); im 14. Jahrhundert wurden Universitäten ins Tschechien (Prag) und Polen (Krakau) und in Deutschland eröffnet. Gegen Ende des 14. Jahrhundert gab es in Europa mehr als 40 Universitäten.

Die Universität im Mittelalter

Die Universität im Mittelalter

Da die Universitäten von Anfang an weit über die nationalen Grenzen hinauswirken – der häufige Universitätswechsel von Professoren und Studenten ist ganz selbstverständlich , erweisen sich das Streben nach Wissen um der Erkenntnis willen, die Selbstständigkeit gegenüber der Kirche und Staat sowie der internationale Charakter der Wissenschaft als die drei prägenden Merkmale der mittelalterlichen Universitätsidee.