Pflasterer

Cinque Terre Forest
Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Pflasterer (v. mhd. pflaster, ahd. pflastar, mlat. plastrum, lat. emplastrum = das auf eine Wunde oder auf einen Fußboden Aufgestrichene; Wundpflaster, Bodenbelag; spätmhd. pflasterer = einer, der Straßen pflastert, mhd. auch überleger = Bedecker, Beleger). Früheste Erwähnung des Pflastererberufs finden sich in Lübeck (1310), Straßburg (1322) und Wien (1376), als mhd. Städte begannen, die Oberfläche ihrer Plätze und Straßen mit Steinen zu befestigen. Die Pflasterarbeiten wurden meist im Auftrag und auf Rechnung des Rats durchgeführt, jedoch traten auch Stiftungen (Basel, 1352) und begüterte Bürger (Würzburg, 1443/44) als Auftraggeber in Erscheinung. Handwerkszeug und Arbeitsweise der Handwerker glichen schon damals der Heutigen, wie eine Abbildung im Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung (1456) beweist: Der Pflasterer hockt auf einem einbeinigen Schemel (dem stull) und arbeitet mit dem eisenbeschlagenen Holzstößel und dem Pflasterhammer (zum Festklopfen der Steine) sowie der Kelle (zum Verteilen des Sandes). Je größeren Umfang die Straßenpflasterung im Spätmittelalter annahm, desto begehrter waren Pflasterer; oft wurden sie von weither aus anderen Städten angeworben. Als Hilfskräfte waren ihnen Tagelöhner beigegeben, die den Boden aufhackten, Sand aufschütteten, Steine zurechtschlugen und zureichten und das fertige Pflaster nachstießen (Rammer, Stößer). Soweit mit der Erlaubnis des Werkmeisters Lehrlinge beschäftigt werden durften, mussten diese bereits Erfahrung als Pflasterknechte und Rammer gesammelt haben und sich der Stadt auf gewisse Zeit verpflichten. Außer Neupflasterungen waren immer wieder Reparaturen auszuführen. Nur an vielbefahrenen Strecken wurde Hartstein in Form von zerkleinerten Findlingen oder großen Kieselsteinen verarbeitet, in Höfen und an wenig befahrenen Seitenstraßen befestigte man die Oberfläche mit weicherem Stein, auch mit Kalkstein, Sandstein- oder Ziegelbruch.

Wie in Bamberg dürfte auch in anderen Städten das Problem bestanden haben, dass durch die Unachtsamkeit der Tierhalter Schweine das Pflaster “… geergert [verdorben], zuwulet, zurissen und beschedigt” haben. Daher: “… welchs … sweine an den schaden des pflasters begriffen werden, so musse der, des … dieselben sweine sind, den schaden am pflaster, das wider zubessern, zu der zuvor festgesetzten busse tragen, ausrichten und … pflichtig sein zubezaln, …” (Stadtarchiv Bamberg, B 4, Nr.34, fol. 116; zit. nach W. Protzner.)

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