Buchbinderei




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Buchbinderei. Aus den Klöstern stammte die mittelalterliche Technik, Pergament-, später auch Papierbögen, zu Codices bzw. Büchern zu binden. Der handwerkliche Vorgang blieb über Jahrhunderte hin im wesentlichen unverändert und bestand aus 1.) dem Vorrichten (Falzen, Ablegen in der richtigen Reihenfolge), 2.) dem eigentlichen Binden und Zurichten des Buchblocks und 3.) der Gestaltung und Anbringung des Einbands. Da die rauhere, hellere Fleischseite eines Pergamentblattes sich konvex aufkrümmt, legte man – um eine Aufwölbung des gesamten Buchblocks zu verhindern – die Seiten abwechselnd, sodass Fleisch- auf Fleischseite und Haar- auf Haarseite zu liegen kam. Zum Binden wurde am Fuß eines rechteckigen, senkrechten Holzrahmens, der Buchbinder- oder Heftlade, der untere (hintere) Buchdeckel abgelegt. Durch dessen rückenseitigen Rand wurden drei bis fünf “Bünde” (Lederriemen, auch Tiersehnen oder Hanfschnüre) gezogen und an der Unterseite verknotet. Die freien Enden der Bünde wurden dann zu dem waagrechten Querholz des Rahmens hinaufgeführt und dort angeschlagen. Um die Bünde zu straffen, wurde der untere Buchdeckel mit einem Stein beschwert. Vier Pergamentdoppelseiten, die aufeinandergelegt und gefalzt eine “Lage” (“Quaternio”) bildeten, wurden mit einer Nadel an jenen Stellen im Falz perforiert, wo sie den Bünden anlagen. Im Falz wurde Flachs- oder Hanfzwirn von einer Perforation zur nächsten geführt, wo er mit einer Nadel durchgestochen und mit einer brezelartigen Doppelschleife an die Bünde “geheftet” wurde. So wurde Lage um Lage zu einem in sich stabilen Buchblock geheftet. Zum Schluss wurden die Enden der Bünde durch den oberen (vorderen) Buchdeckel gezogen und verknotet, und die Enden des Heftzwirns an Kopf und Fuß des Buchrückens in einer Knotenreihe, der “Kapitale”, zusammengefasst. Zur stärkeren Verbindung von Rücken und Deckeln wurde ein Pergamentstreifen aufgeklebt, sowie am Buchanfang und am Ende je ein Doppelblatt (Vorsatzblatt) eingelegt, dessen eine Seite innen auf dem Deckel aufzukleben war. Die hölzernen Buchdeckel wurden mit Leder, Stoff oder Pergament bezogen und mit Metallbeschlägen und -schließen versehen. Die die vom Gürtler gelieferten Schließen (“clausurae”, “fibulae”, “gesperre”, “puchgesmeid) hatten den Zweck, die Seiten zusammengepresst zu halten und so das Bauschen der Pergament- oder Papierblätter und das Verwerfen der Holzdeckel zu verhindern. Ende des Mittelalter ging man aus Gründen der Gewichtsersparnis von hölzernen Buchdeckeln ab und verwendete stattdessen “Pappendeckel”, d.h. aus mehreren Lagen Papier zusammengepappte steife Buchdeckel.

Der Lederbezug des Einbands wurde mit Einzelstempeln oder Druckplatten geprägt (“Blinddruck”). Im 14./15. Jh. kam die Ziertechnik des Lederschnitts auf; dabei wurden ornamentale Zeichnungen mit dem Messer in das Leder eingeschnitten und die Schnittlinie mit einem stumpfen Modelliereisen erweitert. Ende des 15. Jh. wurde der Lederschnitt von der Handvergoldung abgelöst, bei der man Blattgold mit erwärmten Stempeln in die Lederoberfläche einpresst.

(s. Lage, liber catenatus)




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