Buchdruck




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Buchdruck. Mit den mühevoll und zeitaufwendig erstellten Handschriften konkurrierten im hohen Mittelalter Drucke von Holz- oder Metallformen. Von Einblattdrucken kam man anfangs des 15. Jh. zu den ®”Blockbüchern”, in Buchform zusammengefassten Folgen von kommentierten Bilddrucken (“Block” steht dabei für Drucktafel). Bis zum Ende des 15. Jh. hießen die mechanischen Vervielfältigungen von von Texten und Bildern Wiegendrucke oder Inkunabeln. Die Drucke nach der Technik Gutenbergs, also mit beweglichen Einzellettern, begründeten 1450 den eigentlichen Buchdruck. 1457 machten Johann Fust und Peter Schöffer, zwei ehemalige Mitarbeiter Gutenbergs, die ersten Farbdrucke, indem sie verschiedene Partien der Druckform getrennt mit verschiedenen Farben einfärbten. 1461 kombinierte der Bamberger Drucker Albrecht Pfister erstmalig Holzschnitte mit Textblöcken aus beweglichen Lettern in einem illustrierten Legendenbuch. Die ebenfalls von Gutenberg erfundene Druckerpresse hat sich in ihrer ursprünglichen Form lange Zeit fast unverändert erhalten, ebenso andere Utensilien wie Setzkasten (in Fächer unterteilter Holzkasten zur Ordnung der Metallbuchstaben), Winkelhaken (Holzleiste zum Setzen einer Zeile) und “Schiff” (umrändertes Brett zur Aufnahme einer kompletten Spalte). Die Druckerpresse bestand im wesentlichen aus einem Tisch als Unterlage für die Druckform und einer oberen, völlig planen Andruckplatte (“Tiegel”) aus Holz, die mit Hilfe einer Spindel das Papier gegen die eingefärbte Druckform presste. Die Druckerschwärze wurde mit den paarigen Reibern, mit Rosshaar prall ausgestopften Lederballen mit Handgriff, gleichmäßig auf die Druckform aufgetragen. Papier und Pergament mussten vor dem Drucken zur besseren Annahme der Farbe angefeuchtet werden; zum Trocknen wurden die druckfrischen Blätter dann in der Werkstatt wie Wäsche an einer Leine aufgehängt.

Erzeugnisse der jungen Kunst (nach dem Urteil des Literaturwissenschaftlers Jochen Hörisch eine “Medienrevolution”) waren Bibeln, Messbücher, theologische, philosophische und juristische Fachbücher, Schulbücher, Kalender und allerlei ® Einblattdrucke wie Gebete, Ablässe, amtliche Verlautbarungen oder Spottgedichte. Der Buchdruck trug am Ende des Mittelalter wesentlich zur Verbreitung neuer Ideen bei. “Ohne ihn wäre die Neuzeit nicht oder weit langsamer in Gang gekommen” (Thea Dorn & R. Wagner).

Als älteste dt. Druckorte gelten nach Mainz (um 1450): Bamberg (1457), Straßburg (1458), Köln (1465), Augsburg (1468), Nürnberg (1470), Speyer (1471), Esslingen (1472), Erfurt, Lübeck, Ulm, Merseburg und Lauingen (1473), Breslau, Blaubeuren, Burgdorf (1475), Leipzig (1481), Wien und München (1482). Um 1500 gibt es in Deutschland schon etwa 200 Druckereien (Offizine); für die nunmehr in wachsender Zahl angebotenen Bücher bildet sich der neue Beruf des Buchhändlers (s. Buchhandel). Bis zum Jahr 1500 etablierte sich der Buchdruck in Italien (Subiaco bei Rom, 1465; Venedig, 1469; Neapel, 1479; Mailand, Florenz und Bologna, 1471), in der Schweiz (Basel, 1468), in Frankreich (Paris, 1470; Lyon, 1473), in den Niederlanden (Utrecht, 1473), in Belgien (Alost, 1473; Brügge, 1475), Ungarn (Buda, 1473), Spanien (Valencia, 1474; Sevilla, 1477), in Böhmen (Pilsen, 1476), Polen (Krakau, 1476), England (London, 1477), Österreich (Wien, 1482), und Schweden (Stockholm, 1483). Um 1500 kennt man ca. 1.100 Druckereien an 265 Orten quer durch ganz Europa. Zwischen 1450 und 1500 erschienen ca. 30.000 Titel mit einer geschätzten Gesamtauflage von 9 Millionen Bänden.




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