Evangeliar

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Evangeliar (grch.-mlat. evangeliarium = Evangelienbuch). Das wichtigste Buch der christl. Liturgie, die vollständigen Texte der vier Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) enthaltend. Den Evangelien vorangestellt fanden sich meist drei Briefe des hl. Hieronymus und ein Brief des Kirchenlehrers Eusebius. Seinem hohen Rang und seinem Verwendungszweck entsprechend war es in gut lesbarer Schönschrift geschrieben, mit Prachtinitialen und Illuminationen geschmückt und in kostbare Buchdeckel gebunden.

Beispiele:

das Ebo-Evangeliar, Paradebeispiel karolingischer Buchkunst, entstanden vor 835 im Skriptorium, von St. Remi im Auftrag des dortigen Abtes und Erzbischofs Ebo. Diesem war als Bibliothekar Ludwigs d. Frommen besonders an der Förderung der Reimser Handschriften-Produktion gelegen. Das Evangeliar umfasst 178 Folios von 26 x 20,8 cm in goldener Minuskelschrift sowie vier ganzseitige Evangelistenbilder, denen jeweils die zugehörige Initialseite gegenüber steht.

der ® Codex aureus von St. Emmeram (bayer. Staatsbibliothek, München), aus der Hofschule Karls d. Kahlen (um 870). Es umfasst 126 Folios von 42 x 33 cm und ist geschmückt mit prächtigen Initialen, den Evangelistenbildern, einem Thronbild Karls d. Kahlen, der Anbetung des lammes und der Maiestas Domini. Üppige Verwendung von Gold, Rot und Lapslazuliblau. Goldgetriebener Einband mit Edelsteinen, Perlen, Zellenschmelz und Goldfiligran. Der Vorderdeckel zeigt Christus, umgeben von den Evangelisten.

der Codex Wittekindeus (Deutsche Staatsbibliothek, Berlin). Frühottonische (um 970 entstandene) Prachthandschrift aus Fulda. Ursprünglich wohl eine Stiftung Kaiser Ottos I. an den Magdeburger Dom, später an die Grabeskirche des Sachsenherzogs Widukind in Enger gekommen; das überreich mit Zierseiten, mit reichen Initialen und mit den Evangelistensymbolen verzierte Prachtevangeliar entstand nach einer Vorlage der karlischen Hofschule.

das Otto-Adelheid-Evangeliar und das Samuhel-Evangeliar im Kirchenschatz von St. Servatius in Quedlinburg, entstanden um 1000;

das E. Heinrichs d. Löwen, entstanden um 1188, Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und Bayer. Staatsbibliothe in München;

das E. Ottos III., entstanden in Reichenau um 1000, München, Bayer. Staatsbibliothek.)

(s. Lektionar, Evangelistar)

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