Kaufleute




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Kaufleute. (mhd. koufliute, Sing. koufman; lat. mercatores, negotiatores). Im Frühmittelalter taten sich vor allem die Wikinger als – wenn auch gelegentlich gewalttätige – Kaufleute hervor. Außerdem wurde der überregionale Handel von fahrenden, meist jüdischen, syrischen oder byzantinischen Kaufleuten besorgt, die in handelsstrategisch günstig gelegenen Städten ihre Niederlassungen hatten. Neben sie traten in wachsender Zahl deutsche Kaufleute, freie Landsassen, Kirchenhörige oder Freigelassene, auch Adlige ohne Grundbesitz oder reiche Grundbesitzer, die hauptberuflich oder gelegentlich (auf Rechnung weltlicher oder kirchlicher Herren) Handel trieben. Als erfolgreiche Kaufleute taten sich besonders die Friesen hervor, die Handelsniederlassungen in Xanten, Duisburg, Köln, Mainz, Worms und Straßburg unterhielten.

Das Sozialprestige der Kaufleute war im Frühmittelalter sehr niedrig – sei es wegen des Neides der ärmeren Zeitgenossen, sei es wegen der Infamierung durch die Kirche, die den auf Gewinn gerichteten Handel moralisch in die Nähe des Wuchers rückte. (Thomas v. Aquin: “Der Handel hat etwas Schimpfliches an sich”.) Erst im 13. Jh. trat ein Umschwung in der Bewertung der Kaufmannschaft ein, als die Gesellschaft zumal der Städte von der wirtschaftlichen Potenz der Kaufleute abhängig geworden war und Kaufleute ins städt. Patriziat aufstiegen und auch ratsfähig werden konnten.

Während der Reisesaison, wenn das Wetter Schiffahrt und Wagentransport zuließ, beförderten Kaufleute Waren über weite Strecken zwischen Erzeuger- und Nachfragegebieten. Auf den Handelswegen drohten von Räuberhorden Gefahren für Leib und Gut, weshalb Kaiser Friedrich I. (1122-90) den Kaufleuten das Recht bestätigte, Schwert und Schild zu führen. (Das Schwert sollte zwar am Sattel hängen oder im Wagen liegen, dürfte jedoch meist umgegürtet getragen worden sein.) Gegen die Gefahren und Risiken der Handelsreisen schlossen sich die Kaufleute seit dem 9. Jh. in Schwurverbänden (s. Gilden) zusammen, deren bekannteste die Hanse wurde. In den Städten, wo die Kaufleute ihre Handelshäuser hatten und auch lokale Geschäfte abwickelten, kamen sie aufgrund ihres Reichtums und ihrer vielfältigen Beziehungen zu politischem Einfluss, wurden ratsfähig und wirkten maßgeblich bei der Errichtung der Stadtrechte und an dem der Stadtherrschaft abgerungenen Stadtregiment mit. Im 12./13. Jh. erwuchs durch Erhebung von Kaufleuten in den Ritterstand eine Handelsaristokratie, die hinsichtlich Selbstwertgefühl und Lebensstil der Schildaristokratie nicht nachstand. Den Fernkaufleuten gesellten sich etwa vom 12. Jh. die Geldkaufleute (Bänker) zu, die den Handelskapitalismus nach jüdischem und lombardischem Vorbild aufzogen und beim Landesausbau durch Vorfinanzierung der Siedelaktionen eine bedeutende Rolle spielten. Im Spätmittelalter verfügten manche Handelshäuser aufgrund verbesserter Handelstechniken (Kreditwesen, Buchführung, Dezimalsystem) oder aufgrund monopolistischer Marktstellung über derartige Finanzkraft, dass sie Einfluss auf die große Politik nehmen konnten (so die Familien der Fugger, Welser oder Imhof).

Da die Ehefrauen der Kaufleute während der langen Abwesenheiten ihrer Männer die Geschäfte und den Haushalt selbständig führen mussten und sie die dazu nötigen Erfahrungen sammelten, wuchsen ihnen im Lauf der Zeit Rechte und Verpflichtungen bei Handels-, Finanz- und Rechtsgeschäften zu.

(s. Buchhaltung, Frau (Kauffrau), Frauen in Handwerk und Handel, Gilde, Handel, Handelsgüter, Handelsreisen, Handelsrouten, Handelszentren, Kaufhaus, Kaufmannsrecht, Zollfreiheit)




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